Ein flammendes Plädoyer für die „Herrlichkeit 2“

Nachricht Bassum, Syke, 24. April 2015

Kirchenkreistag beschließt Kauf und Umbau des ehem. Kirchenkreisamts und wählt neue Mitglieder für Kinder-Jugend- und Bildungsausschuss

2015-04-24miuKKTJugendausschuss
Arnim Hermsmeyer, Vorsitzender des Kinder-Jugend- und Bildungsausschusses (Mitte), freut sich über zwei engagierte neue Mitstreiterinnen: Schulpastorin Johanna Schröder (links) und Anja von Issendorf, Pastorin in Bruchhausen. Foto: Miriam Unger  

BASSUM-SYKE. Wo soll das Diakonische Werk des Kirchenkreises Syke-Hoya zukünftig seinen dauerhaften Sitz haben? Und was passiert denn jetzt in und mit der Immobilie „Herrlichkeit 2“ in Syke? Diese Fragen wurden am Donnerstagabend heiß diskutiert im Kirchenkreistag (KKT). Zwei Optionen standen zur Debatte, und für beide Seiten gab es schlagkräftige Argumente. Am Ende fiel das Votum aber doch sehr eindeutig aus.

Zunächst beschäftigte sich das Gremium im Gemeindehaus auf dem Bassumer Stiftsgelände mit dem Thema Fundraising. Paul Dalby, Leiter des Fundraising-Teams der Landeskirche Hannover, stellte die Möglichkeiten der Beschaffung von Mitteln vor und die Chancen, die diese Akquisition für die Kirchengemeinden bedeutet.
Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder gab im Anschluss daran einen Überblick über die Fundraising-Arbeit im Kirchenkreis Syke-Hoya.
Er hob hervor, dass Inhalt und Form der Kirchgeldbriefe sich durch die Arbeit von Fundraiserin Petra Manke in den vergangenen dreieinhalb Jahren qualitativ deutlich verbessert habe. Viele Kirchenvorstände würden die Briefe nicht mehr nur als Spendenwerbung sehen, sondern hätten die Möglichkeit entdeckt, darin auch die Öffentlichkeit über ihre Gemeindearbeit zu informieren.

Die Zahl der Kirchengemeinden, die auf diese Weise finanzielle Mittel akquirieren, sei während der Tätigkeit von Petra Manke von 23 auf 25 (von insgesamt 28 Gemeinden) gestiegen.
An einigen Orten hätten sich Kirchengemeinden durch andere Spendenprojekte oder den Aufbau von Stiftungen und Fördervereinen selbst Konkurrenz gemacht.
Im ländlichen Umfeld sei es oft besser gelungen als im städtischen.
Aber insgesamt sprach Schröder von einer Steigerung beim freiwilligen Kirchgeld in allen Gemeinden, die Fundraising betrieben. Besonders hob er die Gemeinden Bücken, Eystrup, Hassel, Heiligenrode und Heiligenloh-Colnrade hervor. „Bemerkenswert ist mit Blick auf die Beteiligung auch das Ergebnis in Barrien, wo die Zahl der Spender von 174 (im Jahr 2010) auf 253 (im Jahr 2014) gestiegen ist“, so Schröder.

Der Überschuss sei insgesamt jedoch bisher nicht so hoch, dass er die inzwischen vakante Stelle eines professionellen Fundraisers gänzlich einspielen würde, meinte der Superintendent. Darum beschloss der Kirchenkreistag, den Finanz- und Stellenplanungsausschuss noch einmal prüfen zu lassen, ob und in welchem Umfang professionelles Fundraising im Kirchenkreis zukünftig betrieben werden soll.

Das Ergebnis soll bei der nächsten KKT-Sitzung vorgestellt und zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Da die Finanzplanung für 2015 und 2016 schon im vergangenen Jahr beschlossen wurde, gab Peter Scibbe (Vorsitzender des Finanzausschusses) einen schnellen Überblick über die Aussichten für den Planungszeitraum 2017 bis 2022. Die Gesamtzuweisung der Landeskirche werde 2017 zunächst steigen und ab 2021 sinken. Die Ziele des Gremiums seien es vor allem, die Stellenplanung in ihrer bisherigen Form zu stabilisieren sowie in Baupflege zu investieren und Gebäude zu erhalten. Ende des Jahres sollen die Zahlen des Haushalts- und Finanzausschusses ausführlich im KKT vorgestellt werden.

Der nächste Tagesordnungspunkt war die von vielen mit Spannung erwartete Entscheidung über die Zukunft des Gebäudes an der Herrlichkeit 2 in Syke (ehemaliges Kirchenkreisamt Syke).
Zum Hintergrund: 2014 hatte der KKT zugestimmt, das Haus zum Preis von 275.000 Euro von der Kirchengemeinde Syke zu kaufen und es für
geschätzte 600.000 Euro umbauen zu lassen, um ausreichend geeignete Räume für die kirchlichen und diakonischen Fachdienste zu haben.

Die sind im Augenblick nämlich an Standorten untergebracht, die entweder weit auseinanderliegen oder von Mitarbeitenden und Klienten als unzumutbar empfunden werden. Die Räume, in denen Kirchenkreissozialarbeit, Schuldner-, Schwangeren- und Kurenberatung derzeit arbeiten, entsprechen nicht mehr den zeitgemäßen Standards. Kein einziges Beratungszimmer ist barrierefrei zugänglich. Die Räume sind hellhörig, die Sanitäranlagen prekär.

Hinzu kommt, dass der Platz im angemieteten Domizil an der Herrlichkeit 24 wegen der gestiegenen Mitarbeiterzahl im Diakonischen Werk
längst zu eng geworden ist. Nun kommt noch das Arbeitsfeld der Flüchtlingssozialarbeit neu dazu, das personell voraussichtlich ebenfalls weiter wachsen wird.

Damit sei beim damaligen Beschluss noch nicht zu rechnen gewesen, erklärte KKV-Vorsitzender Lothar Dreyer.
Die Probleme, die nun auftauchten: Auch die Immobilie an der Herrlichkeit 2 bietet nicht mehr genug Platz, um alle Fachdienste unter ein Dach zu bekommen. Außerdem sind die Baupreise seit der letzten Kostenschätzung gestiegen, so dass der gesamte Umbau teurer werden würde als geplant.

Daher standen die Mitglieder des Kirchenkreistags vor der Frage: Soll am Umbau der Immobilie festgehalten werden? Oder soll man die Option prüfen, ganz neu zu bauen?

Die Meinungen gingen zunächst sehr auseinander.
Ein Neubau würde die Kauf- und Renovierungskosten kaum übersteigen, wäre aber aus energetischer, gestalterischer und wirtschaftlicher Sicht günstiger, zählten die Befürworter die Vorteile auf. Man könne den gestiegenen Raumbedarf ohne Probleme lösen und alle Fachdienste unterbringen.

Die andere Seite führte die Argumente an, dass sich der Umbau viel schneller realisieren lasse, was eine zügige Lösung für die akuten Probleme im Diakonischen Werk bedeuten würde. Und dass man außerdem ja auch bei der Kirchengemeinde Syke im Wort stehe, die das Gebäude unter Verzicht auf Mieteinnahmen frei gehalten und fest mit dem Verkauf gerechnet habe.
Das schlagkräftigste Argument aber war der Standort der Immobilie, für den vor allem Sykes Pastor Christian Kopp in einem flammenden Plädoyer warb: „Ich bezweifele, dass Sie eine bessere Lage finden als diese: Das Gebäude ist zentral mitten im Ort und in direkter Nähe von Kirche, Gemeindehaus, Superintendentur und Rathaus. Gerade für die Flüchtlingssozialarbeit ist diese Nähe wichtig. Außerdem ist die Erreichbarkeit durch öffentliche Verkehrsmittel für Klienten ideal.“

Und auch aus einem anderen Grund spielt aus Kopps Sicht die unmittelbare Nähe zu Kirche und Gemeindehaus eine Rolle: „Wir stehen Wand an Wand – wer aus der Kirche kommt, steht direkt vor dem Gebäude. Und was ist, wenn den neuen Investor das Läuten der Glocken plötzlich stört? Natürlich können wir das Haus auch an jede x-beliebige andere Person verkaufen. Wir haben aber kein Interesse an irgendwem x-Beliebigen. Wir möchten die Familie drin haben - unsere diakonischen Dienste.“
KKT-Mitglied Siegfried Rohlfing ergänzte: „Was sollen die Schuldnerberatung und die Flüchtlingssozialarbeit in einem Neubau in irgendeinem Gewerbegebiet? Der entscheidende Punkt ist doch, dass diese Dienste zur Kirche gehören. Und das sollte man auch räumlich sehen.“

Die anfänglich von vielen Mitgliedern geäußerte „Zerrissenheit“ löste sich schnell auf. Die große Mehrheit des Kirchenkreistags entschied, dass die Kosten für den Umbau des ehemaligen Kirchenkreisamts aktualisiert werden, die Immobilie von der Kirchengemeinde Syke gekauft und umgebaut werden soll.
Die Kirchengemeinde Syke stellte für zusätzlichen Platz-Bedarf Räume im angrenzenden Gemeindehaus in Aussicht.

Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder äußerte sich optimistisch, dass der Umbau noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann.

Zum Schluss berichtete Pastor Arnim Hermsmeyer noch aus dem neu formierten Kinder-Jugend- und Bildungsausschuss. Das Gremium arbeitet zu aktuellen Themen und will Impulse für Kreativarbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Gemeinden setzen. So haben die Mitglieder beispielsweise gerade ein Konzept für ein Konfirmanden-Camp entwickelt. „Unser Problem ist aber, dass Jugendarbeit zwar von allen gewollt, aber häufig nicht gemacht wird“, bedauerte Hermsmeyer. Der Ausschuss wünsche sich dringend mehr Beteiligung, Ideen und Gäste aus anderen Gremien.
Eine erste Verstärkung gab es gleich darauf. Der Kirchenkreistag wählte zwei zusätzliche Mitglieder in den Kinder-Jugend- und Bildungsausschuss: Anja von Issendorf, Pastorin in Bruchhausen, und Johanna Schröder, Schulpastorin an der BBS Syke.

Die nächste Sitzung des Kirchenkreistags soll am 8. Dezember in Leeste stattfinden. Und zwar im aktuell noch im Bau befindlichen Gemeindehaus, das dann - hoffentlich - fertig gestellt ist.

 

Miriam Unger 24.04.2015