14. Mai 2018

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„Wir haben einiges gemeinsam“

„Kirche und Landwirtschaft“: Vorsitzende von Landvolk und Landfrauen zu Gast bei Kirchenkreiskonferenz

Zum Thema „Kirche und Landwirtschaft“ begrüßte Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder (Mitte) als Gäste die Vorsitzenden des Landvolks Mittelweser, Tobias Göckeritz und Christoph Klomburg; Ricarda Rabe (Referentin für Kirche und Landwirtschaf bei der Landeskirche Hannover) und Jutta Hohnholz, Vorsitzende der Kreislandfrauen Hoya. Foto: Tim Backhaus
 

BRINKUM (tb). „Den Bauern geht es in einigen Bereichen ähnlich wie der Kirche: Sie haben Nachwuchsprobleme, und ihr Berufsstand hat nicht immer überall den besten Ruf. Wir haben also einiges gemeinsam“, stellte eine Pastorin bei der Konferenz des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Syke-Hoya zum Thema „Kirche und Landwirtschaft“ fest. „Nur werden die Landwirte zusätzlich noch aus Brüssel reglementiert...“ Christoph Klomburg und Tobias Göckeritz (Vorsitzende des Landvolks Mittelweser), waren an diesem Tag eingeladen, um gemeinsam mit Ricarda Rabe (bei der Hannoverschen Landeskirche für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum zuständig) und Jutta Hohnholz (Vorsitzende der Kreislandfrauen Hoya), im Gemeindehaus in Brinkum in den Austausch mit Pastorinnen und Pastoren aus der Region zu treten.

„Unsere Region ist geprägt von Vielfalt und familiären Betrieben“, betonte Tobias Göckeritz in der Vorstellung der hiesigen Landwirtschaft. „Die Diskussion um industrielle Landwirtschaft ist für viele Landwirtsfamilien schmerzhaft. Ich kann Ihnen zwei, drei Agrarindustrielle in der Region nennen - das war’s“, sagte er. Nicht nur bei den Nitrat-Messstellen gelte es, nicht zu pauschalisieren, sondern Probleme dort anzugehen, wo sie existierten. In seinem Vortrag thematisierte der Kreislandwirt aus Nienburg die drei Standbeine der modernen Landwirtschaft: Ökologische Tragfähigkeit, ökonomische Existenzfähigkeit und soziale Verantwortung. Die Flächenknappheit mit ihren zahlreichen Ursachen bedürfe einer immer effizienteren Landwirtschaft. „Arbeit von Generationen hat es uns ermöglicht, die Fruchtbarkeit des Bodens stellenweise zu verdoppeln.“Auch in den Ställen hätten züchterischer Fortschritt und gutes Management beispielsweise Milchleistung und Fleischertrag verbessert, so Göckeritz weiter, was zu geringerem Ressourcenverbrauch pro Kilogramm Nahrungsmittel führe.

Neben einigem Grundwissen über die Landwirtschaft überraschten die Landvolk-Vertreter die Pastorinnen und Pastoren mit Entwicklungen bei den Viehzahlen. „Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung haben wir immer weniger Nutztiere in unserer Region“, erklärte Christoph Klomburg. Zwar seien die durchschnittlichen Viehbestände sowohl bei Milchviehhaltern als auch bei Sauenhaltern und Schweinemästern gestiegen, doch die absolute Zahl an Nutztieren sinke permanent. „In unseren Landkreisen haben wir sogar nicht mehr ausreichend eigenen organischen Dünger, um unsere Nutzpflanzen ausreichend zu versorgen“, ergänzte Göckeritz.

Über ihre Arbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben berichtete anschließend Ricarda Rabe von der Landeskirche. Familienberatung und Hilfe bei Generationenkonflikten und Krisen gehören neben ethischen Fragen der Landwirtschaft am häufigsten zu ihrem Aufgabengebiet. Ihr Appell an die Vertreter im Kirchenkreis: „Seien Sie aufmerksam in Ihren Gemeinden.“ Wenn die Fronten bei geplanten Stallbauten hoffnungslos verhärtet seien, könnten die Pastorinnen und Pastoren den Betroffenen einen geschützten Rahmen bieten und die zerstrittenen Parteien häufig erfolgreich wieder an einen Tisch holen.

Für Landwirtsfamilien, die ihren Betrieb mit einem Neubau für die Zukunft sicher aufstellen wollen, sei der Gegenwind aus der Nachbarschaft und der lokalen Presse oft nur schwer zu ertragen, erzählte Rabe von ihren Erfahrungen. „Allgemein stelle ich mir die Frage, wie es sein muss, wenn einem - wie es in der Landwirtschaft ja oft der Fall ist - die Bevölkerung stets vorschreiben will, wie man seinen Job zu machen hat. Für die Landwirte, denen es häufig so ergeht, ist das kein gutes Gefühl. Und eine schwere Aufgabe.“

Tim Backhaus