23. Juni 2018

Nachricht

„Bloooß keinen großen Rummel um mich!“

Martfelds Pastor Heinz-Dieter Freese im Abschiedsinterview

Heinz-Dieter Freese an seinem Lieblingsort in Martfeld: „Manche finden die Kirche vielleicht zu schlicht“, sagt er, „aber dieses Schlichte ist genau das, was ich mag.“ Foto: Miriam Unger

MARTFELD (miu). Es waren nur drei Jahre. Denkt man gar nicht. So schnell hat sich Heinz-Dieter Freese in Martfeld und im Kirchenkreis Syke-Hoya einen Platz erobert, dass es schwer fällt, ihn sich nun schon wieder wegzudenken. Mit seiner Offenheit, seinem Interesse, seiner ehrlichen, originellen Art und seiner ausgeprägten Hilfsbereitschaft hat sich der 60-jährige Theologe schnell bekannt und beliebt gemacht. Nicht nur die Gemeindemitglieder in Martfeld, auch die Kolleg*innen im Kirchenkreis Syke-Hoya verabschieden den Pastor am Sonntag in der Catharinenkirche nur ungern.
„Einen Abschiedsartikel? Ach… Bloooß keinen großen Rummel um mich!“, hat Heinz-Dieter Freese gebeten. Um ein kurzes Interview kommt er natürlich nicht herum…

Lieber Heinz-Dieter Freese – ein Satz, von dem Sie sagen, dass er Ihnen immer wichtig gewesen sei, ist Ihr Konfirmationsspruch: ,Der Herr ist der Geist. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit‘. Ab Sonntag sind Sie frei. Was bedeutet das für Sie?
„Dass ich ab noch vieles machen kann, auch bei der Kirche, aber dass ich jetzt mehr Schwerpunkte setzen darf, die mir selbst liegen. Und privat freue ich mich besonders darauf, dass meine Frau und ich nun einfach mal spontan wegfahren können. Das ging ja lange nicht, zuletzt wegen der Arbeit, davor wegen der Kinder und der Schulferien. Aber jetzt können wir das endlich machen: Einfach los, wenn schönes Wetter ist – das ist doch Freiheit!“

Was haben Sie sonst noch vor mit der neuen Freiheit und Freizeit – außer spontan verreisen?
„Erst mal will ich das Haus fertig machen, in das wir ziehen. Das ist mein Elternhaus in Verden, und in Haus und Garten muss man noch einiges tun. Natürlich werde ich mit meiner großen Leidenschaft weitermachen, der Luftbild-Archäologie. Und ich habe auch Lust, in der Kirche noch Verschiedenes weiter- und mitzumachen. Vertretungen zum Beispiel. Ich könnte mir auch gut vorstellen, noch eine Weile in Martfeld auszuhelfen, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin kommt. Ich würde mich außerdem gern beim Arbeitskreis für Meditation in Loccum engagieren und bei der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft. Und im Stadtteilprojekt in Verden. Da wohne ich in Zukunft ja direkt um die Ecke.“

Wie geht’s für Sie nach der Verabschiedung am Sonntag weiter?
„Wir bleiben erst mal noch wochenlang in Martfeld. Ich habe auch noch ein paar Beerdigungen. Und im August ziehen wir dann wohl nach Verden.“

Als Sie sich vor drei Jahren als neuer Pastor in Martfeld vorstellten, sprachen wir über Ihre große Leidenschaft, die Luftbild-Archäologie. Damals sagten Sie: „Ich kenne Martfeld schon von oben. Ein verträumtes Dörfchen unter Bäumen in Mitten einer Ackerwüste. Wie eine kleine Oase.“ Wie war Martfeld denn nun vom Boden aus betrachtet?
„Auch so. Ein schönes Dörfchen mit guter Infrastruktur, Schule, Hallenbad, einem Edeka-Laden – sehr nett. Eigentlich hätte ich mir gut vorstellen können, noch ein paar Jahre länger zu bleiben und mich hier richtig einzuleben. Aber ich bin ja schon mit einem höheren Lebensalter hier angekommen, und aus gesundheitlichen Gründen geht es jetzt leider nicht mehr.“

Worauf blicken Sie besonders gerne zurück?
„Wir haben schon einiges gemacht in der kurzen Zeit. Zum Beispiel die Einrichtung einer Sozialwohnung im Gemeindehaus. Wir haben einen neuen Raum für eine Kleinkindgruppe geschaffen, die Pfadfinderräume und den großen Dachboden entrümpelt und für zukünftige Projekte fertig gemacht. Eine Behindertenrampe für die Kirchgänger und Toiletten für die Friedhofsbesucher gebaut und einen Raum für „Vasa Sacra“ eingerichtet. Wir haben ein neues Kirchenbüro im Pfarrhaus und eine neue Pendelregistratur geschaffen, einen neuen Küster gefunden, das Archiv ausgebaut und neusortiert, eine Homepage eingerichtet, die Kirchenbücher, Abendmahlskelche, die Taufschale und den alten Opferstock restauriert und neue Kollektenkästen aufgestellt. Der Kirchenvorstand hat mehrere Garteneinsätze gemacht, in denen unter anderem ein Blumenbeet am Ehrenmal entstanden ist; auf dem Kirchplatz haben wir die Lindenallee restauriert. Wir haben eine Hinweistafel für Touristen installiert, die auf die Kirche aufmerksam macht, außerdem eine nächtliche Beleuchtung der Kirche, eine Funksteuerung für Glocken und eine Lautsprecheranlage. Auf dem Friedhof haben wir Wahlgrabstätten für Urnen eingerichtet, die Friedhofs-Unterhaltung gewechselt, die Verwaltung der Kapelle auf neue Beine gestellt. Es gibt nun einen Besuchsdienstkreis, genauso wie ein Dankes-Frühstück für Ehrenamtliche, einen Tauferinnerungs-Gottesdienst, die Taizé-Abende, Gemeindeversammlungen, Kirchenvorstandstagungen, einen Gitarrenkurs... Sehr viel Spaß haben mir auch die Kinderbibeltage mit den „Holzbautagen“ gemacht, die vielen Konfirmandenfahrten, das Glockenfest und unsere Aktionen im Reformationsjubiläumsjahr. Und wir haben die regionale Zusammenarbeit mit Schwarme ausgebaut, das klappt auch sehr gut.“

Gibt es noch etwas anderes außer Angeboten und Menschen – Wege, Orte und Besonderheiten in Martfeld, die Ihnen fehlen werden?
„Na, am liebsten habe ich hier natürlich den Kirchhof und unsere Kirche. Das ist einfach ein schönes Gebäude, das mir sehr liegt. Für manche ist die Kirche vielleicht zu schlicht – aber dieses Schlichte ist genau das, was ich mag.“

In ein paar Monaten durchstöbert vielleicht ein junger Pastor oder eine junge Pastorin das Internet, um herauszufinden, wie Martfeld und diese Gemeinde hier so sind und ob das alles zu ihm oder ihr passen könnte. Gibt es etwas, das Sie eine/n Nachfolger/in gerne wissen lassen oder mit auf den Weg geben würden?
„Ich denke, am wichtigsten ist es, dass man hier jetzt einen guten Generationenwechsel hinkriegt. Natürlich hängt das auch davon ab, wie und wer die Person ist, die hierherkommt, und ob sie schnell in den Ort hineinfindet. Bei einer Familie mit kleinen Kindern ist es sicherlich am einfachsten. Die Erfahrung haben meine Frau und ich damals ja auch selbst gemacht, als unsere Kinder im Kindergarten waren. Da ist man gleich drin. Man geht in verschiedene Gruppen, schlägt was vor, und alle sind sofort dabei. Die Vernetzung der Familie hilft sehr, und über die persönliche Schiene geht einfach ganz viel. Aber auch jemand, der alleine kommt und zum Beispiel sehr gerne Sport macht, gut Fußball oder Tischtennis spielt, der wird es hier nicht schwer haben. Er müsste nur in den Sportverein gehen, und sofort hätte er Kontakte. Sport war nicht so meine Sache – ich hatte besonders gerne Kontakt zum Heimatverein.“

Was wünschen Sie sich für die Gemeinde in Martfeld?
„Ich bin optimistisch, dass es bald eine gute Lösung gibt. Dafür spricht auch schon die Geschichte der Kirchengemeinde: Sie ist geprägt davon, dass es witzigerweise immer im Wechsel Pastoren gab, die ganz lange blieben, und so genannte „ZwiPas“ – Zwischenpastoren. 1895 kam Pastor Twele, der ist 33 Jahre geblieben. Dann kam ein Pastor Böge für drei Jahre. Darauf folgte Pastor Rohde, der 36 Jahre hier war. Und ein Pastor Albert Freese für acht Jahre. Und dann kam auch schon Horst Wortmann, der auch wieder 36 Jahre blieb und immer noch in Martfeld lebt. Ich war jetzt wieder der Zwischen- Pastor für drei Jahre. Und wie geht’s nun wohl weiter - na…? (lacht)
 

Miriam Unger