19. Oktober 2018

Nachricht

„In was für einem Land leben wir hier eigentlich?“

Diakonie-Familienfreizeit für sozial benachteiligte Familien: Mit 50 Kindern und Erwachsenen aus der Region an den Edersee

„Alle Nationen und Generationen waren dabei – überhaupt kein Problem. Das passt perfekt zusammen.“ Die Organisatoren der Diakonie-Familienfreizeit sind hochzufrieden. 

KIRCHENKREIS (miu). „In was für einem Land leben wir hier eigentlich?“ „Wie viele Kulturen verträgt unsere Gesellschaft?“ „Was kann uns trotz unserer Unterschiede so verbinden, dass wir es schaffen, alle gemeinsam gut und gerne zusammen zu leben?“ Diese Fragen stellen sich in diesen Tagen ja viele Menschen: Gut- und Wutbürger, In- und Ausländer, Dorfbewohner und Städter, Politiker und ihre Wähler oder auch Nicht-Wähler… Eine eindrucksvolle Antwort auf alle drei Fragen gab eine viertägige Familienfreizeit des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Syke-Hoya.

Ein junges Team der Diakonie-Flüchtlingssozialarbeit, bestehend aus den Sozialarbeiterinnen Sarah Lübker, Susan Behnken und FSJ-ler Paul Bahns, hatte das Konzept für die Fahrt entwickelt. Unterstützt wurde das Trio von Pastor Karsten Damm-Wagenitz und zwei Mitgliedern des Kirchenkreisjugendkonvents, Ole Gröger und Lina Hannekum aus Bassum.

Eingeladen waren sozial benachteiligte Kinder zwischen 6 und 14 Jahren aus dem gesamten Gebiet mit ihren Eltern. Konfession und Nationalität spielten für die Anmeldung keine Rolle.

Mit 50 Teilnehmern aus verschiedensten Nationalitäten, altersmäßig zwischen Krabbelkind und kurz-vorm-Ruhestand, ging es los an den Edersee in Hessen. „Wir haben uns diese Gegend ganz bewusst ausgesucht, weil sie zum einen viel Raum und Ruhe bietet, um sich miteinander beschäftigen zu können, ohne von vielen anderen Reizen und Einflüssen abgelenkt zu werden. Und zum anderen, weil diese Region mit Wald und etwas bergiger Landschaft einen guten Eindruck gibt von der Natur, Struktur und Geographie Deutschlands“, erklärt Susan Behnken.

Neben einem Lern- und Orientierungsteil „Deutschland verstehen“, der nicht nur den zugewanderten Familien leicht verständlich Fragen zum System, zu Rechten und Pflichten, Land und Leuten beantwortete, ging es den Veranstaltern vor allem um den Austausch und Aufbau von Kontakten sowie die Förderung der sozialen und sprachlichen Fähigkeiten der Teilnehmer.

Sport, Spaß und Action kamen im Programm genauso vor wie Gespräche, Entspannung, Unterstützung und Hilfsangebote. Erlebnisse wie die Nachtwanderung bei absoluter Dunkelheit, Seifenkistenrennen oder „Den Wald mit allen Sinnen erleben“ bauten schnell eine Gemeinschaft auf.

Es gab Aktivitäten für alle, aber auch  Gruppen-Phasen für Erwachsene und Kinder – mal gemeinsam, mal getrennt. Und die Möglichkeit, sich auch mal eine kleine Auszeit zu nehmen. Einige Eltern nahmen die Chance dankbar an, ihren Blick abseits des stressigen Alltags und der Sorgen zu Hause auch mal für einen Moment auf sich selbst richten zu können.

„Wir haben versucht, das Programm aus solchen Bausteinen zusammenzusetzen, die unserer Erfahrung nach gut dabei helfen, dass Integration in unserer Gesellschaft gut gelingen kann. Und die es auch Familien in schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Situationen ermöglichen, ihre gemeinsame Zeit nicht nur schön, sondern auch irgendwie sinnvoll zusammen zu verbringen“, sagt Sarah Lübker.

Mit vielen neuen Erfahrungen und Freundschaften, gemeinsamen Geschichten und geteiltem Wissen fuhren die Teilnehmer nach vier Tagen wieder nach Hause. Der Abschied voneinander fiel den meisten sichtlich schwer.

„Es war für uns alle eine wirklich unglaublich tolle Zeit“, zieht das Organisationsteam Bilanz. Und zur Frage, wie viele Unterschiede unser Land verträgt: „Unter den Teilnehmern waren ja so ziemlich alle Nationen und Generationen vertreten – überhaupt kein Problem. Alles hat perfekt zusammen gepasst.“