8. März 2019

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„Mamaaa, da steht ein fremder Mann mit 'ner Blume vor der Tür!“

Pastor Florian von Issendorff besucht am Weltfrauentag Kirchenmitglieder, die er noch nicht kennt

Pastor Florian von Issendorff

BRUCHHAUSEN-VILSEN. Überraschender Besuch stand gestern in Bruchhausen-Vilsen vor vielen Haustüren. Im Gegensatz zu wahrscheinlich den meisten Ehemännern und Vorgesetzten hatte Pastor Florian von Issendorff an den Weltfrauentag gedacht. Und sogar Blumen dabei.

„Die Landeskirche Hannover hat für dieses Jahr das Motto ,Zeit der Freiräume‘ ausgerufen, um uns Pastoren anzuregen, gewohnte Dinge zu überdenken und sich mal Zeit für Neues zu nehmen. Und da dachte ich: Ich lebe und arbeite nun schon einige Jahre in Bruchhausen-Vilsen, aber ich kenne in der Hauptsache nur die aktiven Kirchenmitglieder, die vorbeikommen, Veranstaltungen der Gemeinde besuchen oder in deren Familie ich jemanden getraut, getauft, begleitet oder beerdigt habe“, sagt der 34-Jährige. „Ich habe also ungefähr gerade mal 10 Prozent der Menschen besser kennengelernt, die in meiner Gemeinde Kirchenmitglied sind. Und das will ich ändern!“

Der Weltfrauentag war für ihn ein guter Anlass. Mit einem Arm voller roter Nelken radelte der Pastor quer durch seine Gemeinde und klingelte an 100 Türen. Mit durchschlagendem Erfolg. Nirgendwo wurde er abgewimmelt, im Gegenteil: „Die Begegnungen waren allesamt sehr schön. Eine kleine Geste und ein kurzes Gespräch, ohne dass etwas von ihnen erwartet, gewünscht oder gewollt wird – damit hatten die meisten gar nicht gerechnet. Ich hab richtig gesehen und gespürt, wie gut es vielen tat und wie sie sich gefreut haben, einfach nur mal von ihrem Pastor besucht zu werden und den Satz zu hören: ,Herzlichen Gruß zum Frauentag von Ihrer Kirchengemeinde – wir freuen uns, dass Sie zu uns gehören!‘.“
Kurze Irritationen gab es natürlich manches Mal, wenn keine Frau, sondern der Herr des Hauses die Tür öffnete und einen Mann mit einer einzelnen roten Blume davor stehen sah. „Das war besonders amüsant“, erzählt Florian von Issendorff. „Wenn ich dann erzählte, warum ich da bin, entkrampfte sich das Gesicht aber sehr schnell wieder, und alle mussten lachen.“

An einer Tür öffnete die kleine Tochter und rief ins Haus: „Mama, da steht ein fremder Mann mit ‘ner Blume!“ Florian von Issendorff schmunzelt: „Den Satz hatte die Mama bisher wohl auch noch nicht allzu oft gehört.“

Zufrieden radelte der Pastor am Abend zurück nach Hause. „So eine Besuchstour müsste ich eigentlich mindestens einmal im Monat machen“, meint er. „Wie schön auch für mich, dass ich so viele Mitglieder meiner Gemeinde kennenlernen durfte!“ Eine Blume hatte Florian von Issendorff natürlich noch übrig behalten: Die bekam am Ende des Tages seine Frau Anja.