24. April 2019

Nachricht

„Mit langem Atem werden wir was erreichen.“

„Weltladen“-Team hakt im Bundestag nach zu den Themen Soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und „Agenda 2030“

Diskussionsrunde in Berlin: Die engagierten Ehrenamtlichen vom „Weltladen“ Bruchhausen-Vilsen haken nach.
BRUCHHAUSEN-VILSEN. Wie viel wissen wir über die Dinge, die wir täglich zu uns nehmen, brauchen und gebrauchen? Woher kommen zum Beispiel unser Essen oder all unsere elektronischen Begleiter wie Smartphone und Notebook? Wie und von wem werden unsere Kleidung, unsere Kinderspielsachen, unser Kaffee produziert? Und wie kommen all diese Waren am Ende zu uns? Wüssten Sie das alles so genau? Die meisten von uns wissen es nicht. Interesse am Thema haben aber trotzdem erstaunlich viele, wie eine Informationsaktion des „Weltladens“ in Bruchhausen-Vilsen zeigte.
 
Die engagierten Ehrenamtlichen aus dem evangelischen Kirchenkreis Syke-Hoya nutzten den Projektzeitraum zwischen dem „Weltladentag 2018“ und der „Fairen Woche“, um mit Passanten ins Gespräch über die Produktion und den Transport von Verbrauchsgütern zu kommen und ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu schärfen. An der initiierten Unterschriften-Aktion, in der die Unterzeichner Firmen und Verantwortliche aus Wirtschaft und Politik auffordern, Verantwortung für eine verträgliche Herstellung der Waren, für Lieferketten, Menschen- und Arbeitsrechte zu übernehmen und sich aktiv gegen Ausbeutung und Kinderarbeit zu stellen, beteiligten sich 140 Menschen.
 
Die Liste überreichte das „Weltladen“-Team Ende vergangenen Jahres an den Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig. „Und das war ein Volltreffer – denn Herr Knoerig ist im Bundestag in der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft aktiv. Und genau dort beschäftigen diese Fragen die Politik“, freut sich Georg Buismann, ehemaliger Pastor in Heiligenfelde und seit vielen Jahren für den „Weltladen“ engagiert.
Besuch im Bundestag: MDB Axel Knoerig (links) begrüßt die Delegation aus dem Kirchenkreis Syke-Hoya.
Knoerig lud das „Weltladen“-Team daraufhin in den Bundestag nach Berlin ein. Und dieser Einladung kam eine zwölfköpfige Delegation aus dem Kirchenkreis jetzt nach.
 
Die Ehrenamtlichen trafen Staatsekretärin Dr. Maria Flachsbart vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Tino Clemens aus dem Referat Nachhaltige Lieferketten und Nachhaltigkeitsstandards, den Bundestagsabgeordneten Peter Stein (CDU-Abgeordneter aus dem Bereich Rostock), Klaus Kruse aus dem Vorstand des Forums „Fairer Handel“ und die politische Referentin des Forums, Maja Vollstand, um über verschiedenste Aspekte von Fairem Handel zu diskutieren, sich über Siegel, Bestimmungen und aktuelle Fortschritte zu informieren und nachzuhaken, wie die Politik die Themen weiterhin konkret anpacken wird.
 
„Wir haben viel darüber erfahren, in welchen Bereichen die Thematik im Bundestag überall behandelt wird; und unser Eindruck ist, dass das Thema für die Abgeordneten insgesamt auch wirklich sehr auf der Tagesordnung steht“, ist das Fazit von Georg Buismann. „In den Bereichen Kinderarbeit, Handel mit Kaffee, Kakao und Bananen hat sich schon einiges bewegt. Die Zustände in der Textilindustrie bleiben ein Schwerpunkt.“ Da das Außenministerium federführend bei der Frage der Unternehmensverantwortung sei, müssten die Fäden dort zusammen laufen.
 
Ein Vorteil der Digitalisierung ist laut Buismann, „dass die Herstellungswege nun tatsächlich verfolgt werden können. Wir sehen inzwischen ja schon bei vielen Artikeln, die wir kaufen, dass sogar der Verbraucher verlässlich nachvollziehen kann, aus welchem Betrieb sie kommen.“
 
Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist für die Engagierten im „Weltladen“ die 2015 beschlossene „Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung. Sie beinhaltet 17 Ziele, die von den Vereinten Nationen erarbeitet wurden. „2020 soll die Umsetzung dieser Ziele überprüft werden. Und wenn nicht mindestens die Hälfte der Vorhaben erreichen worden ist, soll gesetzlich nachgesteuert werden“, sagt Buismanns „Weltladen“-Kollegin Birgit Bork.
 
Der Eindruck, mit dem die Gruppe von ihrem Besuch im Bundestag zurückkommt, ist vorsichtig optimistisch: „Die Hoffnung, dass sich was verändert, ist da“, betont Birgit Bork. „Es ist zwar ein Vorankommen in kleinen Schritten. Aber mit langem Atem werden wir was erreichen.“
 
Miriam Unger
Unterschriften für mehr Verantwortung und soziale Gerechtigkeit: Georg Buismann und Birgit Bork überreichen ihre Liste an Dr. Maria Flachsbart (Staatsekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).