Projekt "Fit für Deutschland"

Bei der Eröffnung des Integrationsprojektes „Fit für Deutschland“ in Hoya sprachen unter anderem (von rechts in der ersten Reihe) Initiatorin Claudia Amend, Bundestagsabgeordneter Rolf Kramer, Superintendent Jürgen Flohr, Diakoniepastorin Dagmar Brusermann, die Integrationsbeauftragte der Landesregierung Honey Deihimi, Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Rüstemeyer und Detlef Schütte vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Foto: Gunnar Schulz-Achelis

Ein in dieser Form erstmaliges integratives Migranten-Integrationsprojekt in Niedersachsen ist im Mai 2008 in Hoya gestartet worden. Eltern und Kinder von Migrantenfamilien lernen unter einem Dach, nämlich dem Dach der Grundschule Hoya. In einem gemeinsamen Projekt des Diakonischen Werkes und der Grundschule erhalten die Eltern Sprachunterricht und nehmen gleichzeitig an einem Integrationskurs teil. Für einige der 26 Kursteilnehmer ist damit zugleich eine Alphabetisierung verbunden. Parallel zum Vormittagskurs wird eine Kinderbetreuung angeboten. Das Projekt ist offen für alle, also auch solche Ausländer, die kein dauerhaftes Bleiberecht haben. Dies nur möglich, weil zahlreiche Sponsoren den Sprachkurs unterstützen, darunter auch die Ortsverbände von CDU, SPD und Grünen. Am Freitag wurde das Projekt „fit für Deutschland – Eltern und Kinder lernen unter einem Dach“ feierlich in der Grundschule Hoya eröffnet.

Das Projekt haben Kirchenkreissozialarbeiterin Claudia Amend aus Hoya und die örtliche Grundschulleiterin Anne Sophie Wasner konzipiert. Die beiden Deutschsprachkurse – eine Gruppe vormittags, eine abends - mit je sechs Wochenstunden, an dem unter anderem Kurden, Russen, Türken, Kosovaren, Kasachen und Vietnamesen teilnehmen, hat im Februar begonnen. Nun beginnt der Integrationskurs, indem eine Erzieherin mit den Teilnehmern kulturelles Lernen übt, zum Beispiel Einkaufen, Feste erklärt, den Wald und andere Ort in der Stadt besucht, oder Gesellschaftsspiele bekannt macht, die die Kinder in der Schule gelernt haben. Parallel zu Vormittagssprachkurs kümmert sich zudem eine Erzieherin um die noch nicht schulpflichtigen Kinder der Migrantenfamilien.

Das Projekt läuft zunächst drei Jahre. Der evangelische Kirchenkreis Syke-Hoya stellt Sozialpädagogenstunden zur Verfügung, die Hannoversche Landeskirche gibt einen Zuschuss, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bezahlt für anerkannte Ausländer den Sprachkurs in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Nienburg. Bei den Sprachkursen helfen zudem diverse Sponsoren, bei dem Integrationskurs die Samtgemeinde Grafschaft Hoya und die Evangelische Erwachsenenbildung. Die Hälfte der insgesamt 600 Sprachkursstunden, verteilt auf 3 Jahre, ist finanziert. „Spenden brauchen wir noch reichlich“ sagte Sozialpädagogin Claudia Amend  und können auf das Konto des Diakonischen Werkes beim Kirchenkreisamt Syke überwiesen werden.

„Integration heißt nicht alles so zu tun, wie wir das machen, sondern voneinander lernen“ meinte Amend am Rande der Veranstaltung. „Diakonie sorgt sich um das Wohl von Menschen; die können aus unterschiedlichen Sprachräumen und Kulturen und Religionen kommen“ sagte Diakoniepastorin Dagmar Brusermann, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Syke-Hoya. Sie spendete einen Segen für die Menschen in dem Projekt.

Amend betonte in ihrer Rede die Kombination von Lerninhalten und sozialem Lernen. Mit dem Erlernen der deutschen Sprache könne Ausgrenzung überwunden werden und sie stelle eine Öffnung gegenüber der Gesellschaft dar. Schulleiterin Anne Sophie Wasner berichtete, das auch im ländlichen Hoya in ihrer Schule 20 Prozent der Kinder Migrationshintergrund hätten oder ein Elternteil, das nicht deutsch spricht. „Unser Ziel ist, das alle, deutsch lernen wollen in Hoya auch deutsch lernen können. Eltern und Kinder sollen aneinander und miteinander lernen“, sagte die Pädagogin.

Honey Deihimi, Integrationsbeauftragte des Landes Niedersachsen, eröffnet das Projekt. Sie sagte, Integration sei eine Querschnittsaufgabe, der Bereich Bildung der wichtigste. Durch das Erlernen der deutschen Sprache könne ein Arbeitsplatz gefunden werden, die Eltern am Schulleben teilnehmen und interkulturelle Kompetenz gefördert werden. Detlef Schütte vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Außenstelle Oldenburg, meinte: „Deutschland ist ein Einwanderungsland und braucht Zuwanderung“. Superintendent Jürgen Flohr vom Kirchenkreis Syke-Hoya versteht es als Aufgabe der evangelischen Kirche, das Miteinander der Menschen – auch aus unterschiedlichen Kulturen – zu fördern. Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Rüstemeyer sieht es als Chance und Herausforderung an, die 280 Ausländer in der Samtgemeinde, das sind 2,7 Prozent, zu integrieren. Die Einwanderer müssten viel lernen, aber auch die aufnehmende Gesellschaft sei mitverantwortlich, die Integration zu fördern. Der örtliche Bundestagsabgeordnete Rolf Kramer wandte sich gegen - auch nur verdeckte - Ausländerfeindlichkeit. Deutschland exportiere 70 Prozent seiner Produkte ins Ausland. Samtgemeinde-Ratsherr Frank Lange vom örtlichen Präventionsrat dankte den Kursteilnehmern, dass sie sich in die deutsche Kultur einbringen. Zwei Kursteilnehmer dankten sehr für das Projekt und die Unterstützung.

Nach dem Festakt boten Kursteilnehmer den Gäste Speisen aus ihren Heimatländern an. Grundschüler hatten zum Auftakt die Gäste mit selbst gemalten Fahnen und in diversen Sprachen begrüßt. Für Musik sorgte die Bläserklasse des örtlichen Johann-Beckmann-Gymnasiums.

Der Kirchenkreis Syke-Hoya hat das Projekt Ende Juni 2012 nach viereinhalb Jahren beendet.
Für Migranten und Migrantinnen besteht noch immer die Möglichkeit an einem Sprachkurs in der Grundschule Hoya teilzunehmen.