Erfolgsgeschichte

Gründungsphase

2004


Spätsommer. Offene Armut, verschämte Bedürftigkeit auch in Syke und umzu. Hier und da wird vereinzelt geholfen. Bürgerschaftliches Engagement, persönliche Hilfsbereitschaft und politische Bestrebungen fühlen sich herausgefordert. Ein Netzwerk fehlt noch. Verantwortliche aus Kirchengemeinden und Kirchenkreisdiakonie ergreifen die Initiative, eine Tafel zu gründen und möglichst einen Zufluchtsort für hungrige Bedürftige zu schaffen.

16. September


Erste Zusammenkunft zu einem Informationsabend über die Tafelarbeit in der Großregion und über die Prinzipien ehrenamtlicher, freiwilliger Arbeit und den Plan, hier eine Tafel zu gründen. Aufruf zur Mitarbeit und Unterstützung. Ein Vertreter der Landestafel Niedersachsen-Bremen überzeugt mit seinem Bericht von der Praxis z. B. in Nienburg. Bedenken werden diskutiert und Rechtsfragen geklärt. Örtlicher Handel, Politik und Verwaltung sagen ihre Unterstützung zu. Ehrenamtliche bekunden ihre Bereitschaft zur Mitarbeit.

Oktober bis Dezember

Der Arbeitskreis Syker Tafel bildet sich. Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten werden erarbeitet. Leitungskreis und kleine Teams für Akquise, Warensortierung, Bau- und Renovierung, Büroangelegenheiten und Lebensmittelausgabe werden gebildet. Zwei- bis dreiwöchentlich kommt der Arbeitskreis zusammen. Räume für die Lebensmittelausgabe, ein Fahrzeug für das Einsammeln der Spenden sind zu suchen. Das Akquiseteam besucht Märkte, Händler und Fabriken. Das Kerngeschäft, Lebensmittel einzusammeln, kurzfristig zu lagern und an Bedürftige zu verteilen, wird vorbereitet. Die Bereitschaft, die Tafel mit der Hergabe von Brot, Gemüse, Milchprodukten usw. zu unterstützen ist groß.

2005


Ab 1. Februar findet allwöchentlich einmal die Lebensmittelausgabe in der Halle eines früheren Getränkehandels statt. Begonnen hat es mit 60 Tafelgästen. Alle hatten zuvor einen mehrsprachigen Infozettel mit Angaben zur wirtschaftlichen Bedürftigkeit und einen Tafelausweis erhalten. Reibungslos war in allen Fällen ergänzende Hilfe möglich. Die Mitarbeitenden fanden sich schnell in ihre besondere Rolle. Regelmäßig wurden Erfahrungen und Einsichten ausgetauscht. Besuche und Hospitationen bei Nachbartafeln in Bremen, Nienburg und Delmenhorst waren sehr lehrreich.

Im ersten Vierteljahr


Die Zahl der Tafelkunden nimmt zu. Inzwischen sind 172 Ausweise ausgegeben, sie gelten für 401 bezugsberechtigte Personen, 112 davon sind Kinder. Kirchengemeinden, Einzelpersonen und die Kaufmannschaft unterstützen die Tafel mit Geldspenden. Der Syker Leo-Club führt eine Spendenaktion in einem Supermarkt durch: „Ein Teil mehr” für die Syker Tafel.

In der Presse wird regelmäßig informiert. Menschen finden Mut, als Kunden oder als Mitarbeiter oder als Unterstützer Kontakt zur Syker Tafel aufzunehmen. Das Netzwerk der Hilfe wird dichter.

Zwei wichtige neue Schritte bahnen sich an

Mai bis September


Ein Syker Autohaus leiht der Tafel einen Sprinter. Die Zahl der Tafelkunden und der Mitarbeiter nimmt zu. Bewährt hat sich inzwischen die Zusammenarbeit aller Teams und solcher Ehrenamtlicher, die selbst AusweisinhaberInnen sind. Der Umzug ins ehemalige Garagengebäude Am Feuerwehrturm 3 ist erforderlich.

Ab August

Das neue Tafelhaus gebrauchsfertig. Berufsschüler mit Lehrern haben den Umbau geschaffen. Drei ehemalige Garagen sind jetzt Ausgabe, ein Kühlraum mit Aggregat wurden gespendet, Räume für das Büro und ein Mitarbeiterraum waren herzurichten. Mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkasse haben Tafelmitarbeiter in Leichtbauweise eine Halle als Wetterschutz für wartende Tafelkunden errichtet. Schlüsselübergabe mit Gästen und Sponsoren. Es gibt darüber einen kleinen Fernsehfilm der Medienwerkstatt Stuhr. Im September 2006 war feierliche Schlüsselübergabe. Zum Thema „Essen gehört auf den Tisch“ haben Syker Pfadfinder einen farbigen Wandschmuck gefertigt und der Tafel zum Geschenk gemacht.

Eröffnung einer Ausgabestelle der Syker Tafel für Weyhe im Jugendhaus der Kirchengemeinde Leeste. Pfarramt und Kirchenvorstand, vor allem aber eine große Zahl hoch motivierter Freiwilliger bilden gute Voraussetzungen für eine wöchentliche Ausgabe von Lebensmitteln an bedürftige Bürgerinnen und Bürger in Weyhe. Am 5. Dezember 2005 ist erster Ausgabetag. Vorausgegangen waren die Gründung des Arbeitskreises, detaillierte Vorarbeiten der Kundenerfassung, der Aufgabenteilung. Seit Dezember 2005 pendelt einmal wöchentlich das Tafelauto mit Lebensmitteln zum Henry-Wetjen-Platz, für ein paar Stunden ist dann im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Tafelbetrieb in allen Räumen und auf dem Parkplatz.

Volksbank, ein Autohändler, Printhaus und Lions-Club hatten im Oktober einen Sponsorenpool gebildet und der Syker Tafel einen Lieferwagen spendiert. Dadurch wurde die Versorgung in „Filialen” möglich.

2006

Ab Januar


Parallel zum laufenden Tafelbetrieb in Syke und in der Ausgabestelle Weyhe werden erste behutsame Schritte zur Bildung eines Arbeitskreises und einer Ausgabestelle in Bruchhausen-Vilsen unternommen. Vertreter einiger Kirchengemeinden, der Samtgemeinde, ein leitend Verantwortlicher des Rathauses, weitere beruflich und ehrenamtlich Interessierte fanden zu ersten Gesprächen zueinander. Besuche bei der Tafelausgabe in Syke geben Einblicke und motivieren. Kundige wissen: auch im Ländlichen ist vielerorts Not. Die Raumfrage drängt sich in den Vordergrund.

Wie einige Zeit zuvor in Syke und Weyhe sind viele Sachfragen zu klären. Eine ausführliche Textvorlage für das Gespräch in dem Kirchenvorstand(Vilsen am 25. Juli verdeutlicht das.

„Seit ca. zwei Jahren versorgt die Syker Tafel bedürftige Menschen aus dem Einzugsbereich des Landkreises Diepholz mit Lebensmitteln. Genussfähige Lebensmittel werden vom örtlichen- bzw. regionalen Handel gespendet und mit Hilfe zweier Tafelfahrzeuge eingesammelt. Ehrenamtlich Mitarbeitende sorgen für Sortierung, Lagerung und Verteilung. Rechtsträger der Syker Tafel mit den zur Zeit zwei Ausgabestellen (Syke und Weyhe/Stuhr) ist der Kirchenkreis Syke-Hoya. In den verschiedenen Aufgabenbereichen der Tafel wie Leitungskreis, Büroteam, Fahrerteam oder Lebensmittelverteilung arbeite über 100 Ehrenamtliche planvoll zusammen. Schon während der ersten Gründungsversammlung, Diakoniewoche 2004, war es erwogen worden, neben der Zentrale (mit Büro, Kühlraum usw.) in Syke zwei weitere Ausgabestellen im Landkreis, die Mitwirkung anderer Kirchengemeinden und öffentlicher Institutionen zu gewinnen. Seit Dezember 2005 besteht die Ausgabestelle im Jugendhaus der Kirchengemeinde Leeste. Dort werden wöchentlich einmal ca. 60 AusweisinhaberInnen mit Lebensmitteln versorgt.

In Bruchhausen-Vilsen hat sich ein Initiativkreis gebildet, der seit einigen Monaten immer konkreter  werdende Vorüberlegungen zur Eröffnung einer Ausgabestelle in Vilsen anstellt. Allein die Zahl der in diesem Einzugsbereich wohnenden jetzigen Tafelkunden rechtfertigt dieses Vorhaben.

Zu prüfen und zu entscheiden ist, ob für zunächst begrenzte Dauer im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Vilsen eine behelfsmäßige Ausgabestelle eingerichtet werden kann. Unter der Voraussetzung der Zulieferung von Lebensmitteln durch Pendelverkehr wird Räumlichkeit an einem feststehenden wöchentlichen Termin benötigt:

Kurzfristige Lagerung von ca. 100 vorsorterten Lebensmittelkisten

Abschließende Lebensmittelverteilung an zubnäcxhzst 30 bis 50 AbholerInnen

Wartezone für Tafelkunden und ebenso Aufenthaltsmöglichkeit für ehrenamtlich Mitarbeitende- (Personalraum)

Zeitbedarf incl. Vorbereitung und Reinigung: 4-6 Stunden

Zeitlich begrenzt, evtl. parallel „Büro“-Arbeitsplatz für Bedürftigkeitsprüfung und Ausweisausgabe;

Zum nächstmöglichen Zeitpunkt nach der Entscheidung über die Nutzung des Gemeindehauses zu dem beschriebenen sachlich und zeitlich begrenzten Zweck, sollten für das weitere Vorgehen Verantwortliche bestimmt werden. Im oben genannten Initiativkreis sind erste Schritte zur Gewinnung eines Arbeitskreises Ehrenamtlicher, zur sachlichen Einführung der Bedürftigkeitsprüfung, Lebensmittelhygiene, der Öffentlichkeitsarbeit usw. vorüberlegt und Grundsätze der Zusammenarbeit angedacht worden.

Im Bedarfsfall und bei Interesse besteht die Möglichkeit, Einblick in die diakonische Praxis der Tafelarbeit zu nehmen.“

Die Erörterungen enden positiv. Das Gemeindehaus Am Hohen Kamp kann mit strikter Zeitplanung einmal wöchentlich als Ausgabestelle genutzt werden.

18. September

An einem offenen Gemeindeabend mit vielen Interessierten werden Sachfragen geklärt, der Bedarf an Hilfe erörtert und zur Mitarbeit aufgerufen.

6. Dezember

Erstmalig werden gespendete Lebensmittel verteilt. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind gut vorbereitet, respektieren einander und tragen zum Gelingen der Tafelaufgaben allwöchentlich bei. Lebensmittel werden auch am Ort gespendet und insgesamt durch den Pendeleinsatz des Tafelautos besorgt.

 
Konsolidierungsphase

Zur Erfolgsgeschichte gehören neben dem mehr kalendarisch Aufgeführten einzelne Ereignisse und Tatsachen. Dafür einige Beispiele:

Der innere Zusammenhalt der ehrenamtlich Mitarbeitenden ist gekennzeichnet von den je unterschiedlichen Motiven zur Mitwirkung in Verantwortung und Verbindlichkeit. Jede und jeder gibt, was er kann, vor allem an Zeit. Viele bringen Erfahrungswissen oder Fachkenntnisse mit. Jeder Beitrag wird wichtig genommen.

Jährlich einmal findet eine Vollversammlung statt, wichtig sind die fast monatlichen Dienstbesprechungen in den Arbeitskreisen, im Leitungskreis oder in den Teams. Das gewährleistet Kontinuität und gemeinsame Freude am Gelingen und verringert Konflikte. Das Prinzip der Fehlerfreundlichkeit erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Frauen und Männern und zwischen kulturellen Unterschieden, zwischen Helfenden und gegenüber Bedürftigen. Fast immer alljährlich am Diakonie-Sonntag erhalten neue Mitarbeitende eine Urkunde für Ehrenamtliche.

Wenn jemand ausscheidet, ist es immer gut, wenn er richtig verabschiedet werden kann. Zur Freiwilligkeit gehört, Anfang und Ende der Mitarbeit bestimmt der Ehrenamtliche selbst.

In manchen Funktionen finden sich sogenannte Ein-Euro-Jobber. Seit Mai 2005 gibt es bei der Syker Tafel Arbeitsgelegenheiten. Die Zusammenarbeit mit der ARGE wird befürwortet und hat sich bewährt. Die Unterschiedlichkeiten der Beschäftigten sind erkennbar, aber für das Klima unschädlich.

Die Syker Tafel ist ein diakonischer Lernort. Konfirmandinnen und Konfirmanden, Schülerinnen und Schüler, an den Aufgaben Interessierte der Sozialarbeit und andere arbeiten zeitlich begrenzt mit. Sie werden informiert und angeleitet.

Eindrucksvoll sind Ergebnisse: Ein kleines Kochbuch einer Berufsschulklasse, eine Erhebung unter Tafelkunden zu Beliebtheit und Nutzen der Tafel.

Gerne haben wir im Tafelhaus Besuch. Besonders naheliegend sind solche Ereignisse im Zusammenhang mit einer Spendenübergabe, aber auch als Informationsveranstaltung zur Tafelarbeit oder mit Nachbarn.

Großen Wert legen die Verantwortlichen der Syker Tafel auf ein verantwortungsvolles Zusammenwirken unter den Nachbartafeln. Bei Neugründungen sind wir gegebenenfalls gerne behilflich. In vorkommenden Konfliktfällen wird rasch geklärt. Mehrfach haben gegenseitige Besuche, oft wechselseitige Unterstützung stattgefunden.

Zur Erfolgsgeschichte der Syker Tafel mit ihren drei Ausgabestellen gehört grundlegend solide die Zugehörigkeit zum Kirchenkreis Syke-Hoya als Rechtsträger. Er stellt das Rechnungswesen sicher, unterstützt in Personalangelegenheiten und steht für den Rechtsschutz der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zukünftig zu erwartende Veränderungen und Herausforderungen werden sich gemeinsam bewältigen lassen.

 
Aktuelles und Zukünftiges

Wir haben viele Gründe zur Dankbarkeit und Freude: Über hundert ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon viele seit der Gründung aktiv, Ausgeschiedene hatten immer triftige Gründe. Insgesamt waren wir unfallfrei unterwegs. Kleine Verletzungen und Schrammen sind längst verheilt.

Wir haben keine Schulden und können uns leisten, dienstliche PKW-Fahrten als Wegstreckenentschädigung zu erstatten. Ebenso ist das mit allen Sachkosten.

Wir haben vorsorglich Geld zurückgelegt für unerwartete notwendige Anschaffungen oder Reparaturen.

Wir haben Freunde und Förderer rund um uns herum in Schulen, Verwaltungen und bei Behörden, in gesellschaftlich relevanten Gruppierungen, bei Kirche und Diakonie, bei Geldinstituten.

Wir haben eine gute Presse.

Vielleicht müssen wir die gesellschaftlichen Belange zukünftig noch nachdrücklicher vertreten. Unsere Kenntnisse über Armutsursachen und über die Auswirkung prekärer Lebensumstände haben sich vertieft.

Die kürzlich übereignete Schenkung des „Glücksbringers”, eines wertvollen Kühlfahrzeuges durch Lions-Clubs und der Stiftung „Live“, befördert uns in die nächste Zukunft. Wir sind gut aufgestellt.