Interviews mit Mitarbeitern

Arbeiter, Wolfgang
Arbeiter, Wolfgang

Name: Wolfgang Arbeiter
Alter: 75 Jahre

Seit wann sind Sie bei der Syker Tafel ehrenamtlich tätig?

Ich bin seit der Eröffnung im Februar 2005 dabei.

Wie kamen Sie zu diesem Ehrenamt?

Durch meine Frau. Sie war schon bei der Gründungsveranstaltung dabei und hat mich sozusagen mitgezogen.

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an dem Angebot der Syker Tafel?

Ich finde es sehr gut, dass die Tafel dazu beiträgt, dass Nahrungsmittel nicht vernichtet werden. Die Überproduktion von Lebensmitteln finde ich bedenklich. Ich habe als Kind während der Kriegsjahre miterlebt, wie schlimm es ist, wenn nicht genug zu Essen da ist. Ich weiß von daher, dass unser heutiger Wohlstand nicht selbstverständlich ist.

Außerdem lege ich Wert auf gute Ernährung. Meine Frau und ich versorgen uns mit frischen Sachen aus unserem eigenen Gemüsegarten.

Wie ist Ihre persönliche Situation?

Ich bin seit 1996 Pensionär. Ich war Beamter bei der Deutschen Bahn, vorwiegend im Betriebsdienst und bei der Güterabfertigung tätig. Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder.

Welche Aufgaben habe Sie als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Syker Tafel übernommen?

Ich bin Mitarbeiter im Sortierdienst und in der Lagerhaltung – das heisst, das ich auch zuständig bin für die Aufteilung der Waren für drei Ausgabestellen. Viel Zeit verbringe ich von daher in unserem Kühlraum bei vier Grad Celsius.

Warum engagieren sie sich für ein soziales Projekt?

Ich freue mich darüber, dass meine Arbeitskraft und meine Erfahrung noch gebraucht wird. Bei den verschiedenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist eine gewisse Flexibilität gefordert. Man muss sich um Problemlösungen kümmern, da oft Unvorhergesehenes geschieht – z.B., dass plötzlich noch sehr viel frische Ware abgeholt und zeitnah verteilt werden muss.

Ich engagiere mich auch aus religiösen Gründen und möchte andere Menschen unterstützen.

Was wünschen Sie der Syker Tafel für die Zukunft?

Ich wünsche der Syker Tafel, dass das Tafelhaus erhalten bleiben kann. An der Innenausstattung könnten noch einige Verbesserungen vorgenommen werden, damit es für die Kunden noch ansprechender ist. Auch hoffe ich, dass die Zusammenarbeit untereinander auch weiterhin so gut und kooperativ bleibt.

Timmermann-Schmidt, Ingrid
Timmermann-Schmidt, Ingrid

Name: Ingrid Timmermann-Schmidt
Alter: 63 Jahre

Seit wann sind Sie bei der Syker Tafel ehrenamtlich tätig?

Zunächst war ich ab Januar 2006 bei der Ausgabe in Weyhe-Leeste tätig. Dann habe ich mehrmals beim Sortieren in Syke ausgeholfen. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich seit Ende 2007 regelmäßig im Team mitarbeite.

Wie kamen Sie zu diesem Ehrenamt?

Ich bin Floristin und habe 2006 aufgehört zu arbeiten. Nun ja, dann habe ich mir überlegt, was ich mit meiner Freizeit Sinnvolles anfangen kann. Über einen Zeitungsartikel habe ich dann von der Syker Tafel erfahren und meine Mitarbeit angeboten.

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an dem Angebot der Syker Tafel ?

Dass man etwas wirklich Sinnvolles und Nützliches tun kann und die Hilfe direkt ankommt. Ich muss sagen, dass mir die Arbeit unwahrscheinlich viel Spaß macht. Es kommt sehr viel Freude und Dankbarkeit von den Kunden zurück. Wenn ich z.B. im Urlaub war, sagen die Kunden hinterher: „ Schön, dass sie wieder da sind“. Die Arbeit befriedigt mich und macht mich manchmal richtig glücklich.

Wie ist Ihre persönliche Lebenssituation?

Ich bin verheiratet und habe eine leibliche Tochter und zwei angenommene Söhne. Meine Kinder sind schon aus dem Haus. Mein Mann und ich haben ein gutes Einkommen. Deswegen bin ich nicht gezwungen, berufstätig zu sein und kann mich ehrenamtlich engagieren.

Welche Aufgaben haben Sie als Ehrenamtliche übernommen?

Ich komme einmal wöchentlich zum Sortieren der Ware und bin jede Woche bei der Ausgabe im Tafelhaus. Ich gebe Grundnahrungsmittel, Fertiggerichte, Dosen und Süßigkeiten aus. In der Weihnachtszeit gebe ich auch Spielzeug, dass wir geschenkt bekommen an Familien mit Kindern aus. Im Moment haben wir für Schulkinder zum neuen Schuljahr gut erhaltene Schulranzen.

Warum engagieren Sie sich in einem sozialem Projekt?

Es ist mir wichtig, mit anderen Menschen im Kontakt zu sein. Ich genieße das Zusammensein in der Gemeinschaft unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich habe ein gutes Leben und möchte dazu beitragen dass es auch anderen besser geht.

Was wünschen Sie der Syker Tafel für die Zukunft?

Es wäre traurig, wenn es noch mehr Kunden geben wird, denn das würde bedeuten, dass die Armut in Deutschland weiter zunimmt. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr ältere Menschen sich trauen , zur Tafel zu kommen. Den jungen Kunden wünsche ich, dass sie Arbeit finden und für ihre Existenz selber sorgen können. Die meisten von Ihnen möchten dringend arbeiten, finden jedoch keine Stelle.

Die Interviews führte Ulrike Schink.

Statements von Tafelmitarbeitern

Kurz bevor ich in Rente gehen wollte, machte ich mir Gedanken was ich mit meiner Freizeit anfangen sollte. Beim Roten Kreuz, Altenheim, der Bürgerbus stand auch ganz hoch auf meiner Liste. Gezielt ging ich zum Rathaus der Stadt und fragte nach einem ehrenamtlichen Job als Fahrerin beim Bürgerbus. Dort erfuhr ich, dass auch die Syker Tafel ehrenamtliche Fahrerinnen sucht. Ich zögerte nicht lange und ging zu Herrn Wehmeier, der mich dann auch sofort als Fahrerin nahm.

Die ehrenamtliche Tätigkeit beinhaltet nicht nur das Fahren, sondern auch das Sortieren und Verteilen der Ware an Bedürftige.

Ich bin seit dem 1. August 2008 bei der Syker Tafel.

Hilde Osmer,
Mitarbeiterin in Syke


Durch einen Zeitungsartikel bin ich darauf gestoßen. Dazu kam der Wunsch nach sozialen Kontakten und sozialer Einbindung.

Hierbei kann ich anderen Menschen helfen, man bekommt Freude und auch Dank zurück. Man hat etwas Sinnvolles zu tun, und man fühlt sich gebraucht und gut. Ich freue mich schon immer auf diese festen Tage, weil man nette Kollegen und viel Spaß miteinander hat. Die Kunden zeigen sich auch meistens sehr dankbar.

Margret Schneider,
Mitarbeiterin in Bruchhhuasen-Vilsen


Als Rentner suchten meine Frau und ich eine sinnvolle, ehrenamtliche Aufgabe.

Auf Grund eines Zeitungsartikels Ende 2005 über eine Eröffnung einer Ausgabestelle der Syker Tafel in Weyhe-Leeste nahmen meine Frau und ich an einer Info-Veranstaltung im Leester Gemeindehaus teil und ließen uns zur Mitarbeit registrieren, meine Frau für Ausgabe und Sortieren und ich mich für das Büroteam.

Wie überall geht es nicht ohne Bürokratie und meine Aufgaben umfassen u.a. Bedürftigkeitsprüfung und Ausweisausteilung, Kassieren und Abrechnung, Listen und Statistiken führen. Nach Ausscheiden einer Mitarbeiterin übernahm ich die Leitung des Leester Büroteams und wurde in den Leitungskreis der Syker Tafel gewählt.

Die ehrenamtliche Arbeit erfüllt mich und das Arbeiten im Tafel-Team macht Spaß.

Durch den Kontakt zu unseren „Kunden“ verstehe ich die Problematik der Hartz IV-Gesetze und die Gefahren der Altersarmut besser und beobachte die Politik kritischer.

Peter Bentz,
Mitarbeiter in Leeste, Mitglied im Leitungsteam


Durch meine anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten lernte ich Familien kennen, die ein geringes Einkommen haben und zur Tafel nach Syke fuhren. Ich fasste den Entschluss, wir brauchen in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen eine Tafel. Über Pastor Lothar Dreyer wurde der Kontakt mit den Pastoren der Mitgliedsgemeinden aufgenommen und wir gründeten einen Arbeitskreis. Der Kontakt zu der Syker Tafel war bereits über Pastor Matthias Brockes hergestellt. Nach einigen Gesprächen mit Wolfgang Buchholz von der Syker Tafel entschieden wir uns:

Syker Tafel – Ausgabestelle Bruchhausen-Vilsen. Damit war gesichert, dass wir für unsere Kunden genug Ware haben, denn die Waren aus unseren Gemeinden würden allein nicht ausreichen. Der Gemeindesaal in Vilsen wurde unsere Ausgabestelle. Wir starteten mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern am 6. Dezember 2006.

Ich freue mich auf jeden Mittwoch, dann ist Tafeltag.

Wilfriede Wienbergen,
Mitarbeiterin in Bruchhausen-Vilsen


Am Ende meiner Berufstätigkeit lernte ich Eva Böller, Frauenbeauftragte der Gemeinde Weyhe, kennen. Im Frauenzentrum, jetzt Luise-Ebert-Zentrum, half ich mit und war viele Jahre aktiv. Inzwischen waren auch alle Kinder aus dem Haus, eine Hausverwaltung fiel auch weg. Meine Zeit stand mir ganz allein zur Verfügung.

Durch einen Artikel in der Kreiszeitung wurde ich darauf aufmerksam, dass auch in Weyhe die Tafel installiert werden sollte. Beim Treffen meldete ich mich sofort und gehöre seit diesem Tage zum Ausgabeteam in Weyhe.

Da auch in Syke Personen zum Sortieren fehlten, half ich mit. Inzwischen hat es sich ergeben, dass ich jeden Mittwoch mit anderen Frauen die Lebensmittel sortiere.

Beim Flohmarktstand und zum Marmeladekochen stellte ich mich auch zur Verfügung. Die Arbeit macht mir weiterhin Spaß.

Annemarie Kupper,
Mitarbeiterin in Syke und Leeste


Vor fünf Jahren setzten sich einige engagierte Leute zusammen und gründeten die Syker Tafel nach vorhandenen Vorbildern. Initiator war u.a. der frühere Pastor Wilhelm Tesch aus Syke.

Ich erfuhr von der Gründung aus der Zeitung. Da ich schon immer anderen Menschen helfen wollte, bewarb ich mich nach kurzer Bedenkzeit. Nach einigen Vorgesprächen und Einweisung „wagte“ ich mich in das Getümmel einer Warenausgabe am Dienstag.

Ich bin also von Anfang an dabei und habe meinen Entschluss, mich ehrenamtlich zu betätigen, zu keiner Zeit bereut. Der Umgang mit den bedürftigen Menschen, aber auch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tafel, macht mir Freude und geben mir die Gewissheit, dass mein soziales Engagement gewürdigt wird. Ich genieße es, ein paar Worte mit den Kundinnen und Kunden zu wechseln und bin immer wieder erstaunt zu hören, dass man mich vermisst hat, wenn ich einmal nicht zur Ausgabe erscheinen konnte.

Große Befriedigung gibt mir die Gewissheit, dass die Kundinnen und Kunden unsere Arbeit respektieren und zu würdigen wissen.

Ich fühle mich eingebunden in eine Gemeinschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, durch zeitlichen Aufwand und erhebliche körperliche Anstrengungen, bedürftigen Menschen in ihrer Geldnot zu helfen und möchte die wöchentlichen Treffen nicht mehr missen.

Ingrid von der Werth,
Mitarbeiterin in Syke