18. Januar 2019

Nachricht

Zwei Charaktertypen für Weyhe

Pastor Christoph Siedersleben kommt im Frühling nach Kirchweyhe, Pastor Holger Hiepler nach Leeste

Zwei neue Pastoren für Weyhe: Christoph Siederleben und Holger Hiepler

WEYHE (miu). Der Frühling bringt zwei neue Pastoren in die Region Weyhe. In dieser Woche stellten sich die beiden in den Kirchenvorständen Kirchweyhe und Leeste vor, und die Chemie stimmte. Die Gemeindemitglieder können sie nun in den nächsten Wochen kennenlernen: Christoph Siedersleben wird seine Aufstellungspredigt in der Felicianuskirche in Kirchweyhe am 24. Februar halten. Holger Hiepler am 24. März in der Marienkirche in Leeste. Dienstbeginn soll spätestens der 1. Mai sein. Charaktertypen mit interessanten Lebensläufen und Erfahrungen im In- und Ausland sind beide.

Pastor Christoph Siedersleben

Christoph Siedersleben wurde in Nongoma/Südafrika geboren, sein Vater war Missionar. „Als ich nach dem Abitur zum Militär eingezogen werden sollte, habe ich das Land verlassen, weil ich die Apartheit nicht mit der Waffe verteidigen wollte“, erzählt der 58-Jährige. Er ging nach Deutschland, studierte zunächst Volkswirtschaftslehre, dann Theologie in Heidelberg und Marburg. Sein Vikariat machte er in Wolfsburg. Es folgten 20 Jahre als „Pastor auf dem Land“ in Wallensen im Weserbergland, bis ihn die Gefängnisseelsorge in der JVA Uelzen und Lüneburg reizte.

„Im Knast zu arbeiten war spannend für mich. Man hat allerdings wirklich fast nur mit Leid und Not zu tun. Nach drei Jahren habe ich festgestellt, dass ich im Grunde meines Herzens Gemeindepastor bin. Mir fehlte die Bandbreite des Lebens. Dass man mit allen Generationen zu tun hat, vom Kindesalter über Jugend und Erwachsene bis hin zu Senioren. Und dass man im Pfarramt so viele verschiedene Arten von Freude und Leid erlebt.“

Er war zwei Jahre Springer im Kirchenkreis Uelzen – dann las er die Ausschreibung für die Pfarrstelle in Weyhe. „Mich hat besonders angesprochen, dass die Gemeinde sich den Fragen der Zeit stellt und nicht einfach so weitermachen möchte wie Kirche immer war“, sagt er. „Denn ich habe auch Lust, Neues zu wagen und andere Wege zu finden.“

Auch die Lage der Gemeinde passte genau in seine Wunsch-Vorstellung: „Weyhe ist Vorort und Einzugsgebiet von Bremen. Eine sehr begehrte Wohnlage. Es sind nur zehn Kilometer bis in die Stadt; man sieht auch, dass hier vieles im Umbruch ist – und trotzdem ist es schön grün, sogar noch etwas ländlich. Alle Leute, die ich getroffen habe, die Kolleg*innen und Kirchenvorsteher*innen waren unglaublich nett. Es wundert mich nicht, dass viele gerne in Weyhe wohnen möchten. Ich auch. Aber das“, fürchtet der Pastor, „wird wahrscheinlich noch ein Problem werden: Ich suche ein Haus hier, gerne auch etwas außerhalb in der Natur, das ich mieten oder, wenn’s nicht anders geht, auch kaufen kann. Denn das soll meine letzte berufliche Station sein. Und ich kann mir gut vorstellen, auch im Alter hier zu bleiben.“

Christoph Siedersleben kommt allein nach Weyhe. „Ich bin geschieden und lebe aktuell als Single. Meine erwachsene Tochter wohnt in Bremen.“

Als Pastor sei es ihm wichtig, persönlich, geerdet und lebensnah zu predigen: „Bei Beerdigungen und Trauungen versuche ich, möglichst viel von dem, was die Menschen mir erzählen, aufzunehmen, in meinen Ansprachen anzubringen und zu gucken, wie ich die Geschichten der Menschen in einen Zusammenhang mit Gott und dem Glauben bringen kann, mit dem sie etwas anfangen können.“

Als Mensch sei er vor allem bodenständig, „nix Abgedrehtes, Intellektualisiertes“, meint Christoph Siedersleben. „Ich frage gern nach und bin kritisch, auch mit mir selber. Und ich bin immer daran interessiert dazuzulernen.“

In seiner Freizeit reise er gern, natürlich besonders nach Afrika. „Das bleibt einfach meine Heimat. Deutschland ist mein Zuhause.“

Ein anderes Hobby: „Ich mache selbst Sport und gehe seit einiger Zeit ins Fitnessstudio, aber ich bin auch als Beobachter sehr sportbegeistert. Ich war schon immer Werder-Fan. Ich bin politisch interessiert und lese viel. Außerdem spiele ich leidenschaftlich gern – Karten, Schach und Brettspiele. Ich bin gerne unter Menschen, aber brauche auch die Natur und manchmal auch die Stille.“

In Weyhe lassen sich all diese Interessen perfekt verbinden, findet er: „Ich habe wirklich lange nach einer passenden Stelle im Umland von Bremen gesucht – und ich glaube, ich hab hier genau das Richtige gefunden.“

 

Pastor Holger Hiepler

Holger Hiepler kam 1963 in Itzehoe zur Welt, studierte in Hermannsburg und Tübingen Theologie. Er machte sein Vikariat in Kiel und setzte noch ein Auslandsvikariat in Rio de Janeiro drauf. Anschließend zog es ihn für ein halbes Jahr zur Vertretung auf die Insel Juist; danach für neun Jahre nach Chile in den Auslandsdienst. Es folgten zwölf Jahre als Pastor in der Winsener Elbmarsch und sieben Jahre in Heeslingen, Kirchenkreis Bremervörde. Von dort aus zieht er im Frühling nun nach Erichshof, um Pastor der Kirchengemeinde Leeste zu werden.

„Ich kenne die Bremer Gegend, aber ich muss noch ein bisschen lernen, mich zu orientieren“, sagt der 56-Jährige. „Leeste ist wirklich groß und langgezogen, besteht aus vielen Ortsteilen – ich weiß noch nicht ganz genau, was man wo findet. Aber das wird schon. Ich bin erst mal rumgefahren, habe mir alles angeguckt, Gottesdienste in Leeste und Kirchweyhe besucht und viele Gespräche geführt.“

Besonders spannend habe er den Austausch mit seinem neuen Kollegen, Pastor Ulrich Krause-Röhrs, gefunden: „Er hat viele neue Ideen – besonders, wenn es um Kulturarbeit geht, die sich neben der Kirche auch in diesem modernen Gemeindehaus abspielt oder auf dem zentralen Platz, der gerade gestaltet wird. Ich finde es ausgesprochen reizvoll, daran mitzuarbeiten, wie sich die Kirchengemeinde an so einem Ort gut positionieren und die Menschen mit ihren Angeboten erreichen kann. Gerade in einer Stadtrandlage, wo viele aus der Kirche austreten oder schon ausgetreten sind, ist es eine ständige Herausforderung, wie man diese Leute noch ansprechen und begeistern kann. Und das interessiert mich sehr.“

Und noch ein Schwerpunkt der Gemeinde sorgte sofort für seine Begeisterung: „Dass Musik so eine große Rolle spielt, und dass es hier sogar einen jungen Popkantor gibt, der in der Bandarbeit und mit dem Kinderchor arbeitet – wunderbar! Das sind zukunftsweisende Säulen, die wir fördern müssen.“

Musik macht der 56-Jährige auch selbst: „Mein Hauptinstrument ist Gitarre, ich spiele auch alle möglichen anderen Instrumente: Trompete, Cajon, ein bisschen Klavier… Aber ich bin nicht gut genug, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Ins Pfarrhaus in Erichshof möchte Familie Hiepler als Trio ziehen. Die erwachsene Tochter studiert Bioanalytik in Coburg und wird zu Besuch kommen. Aber neben seiner Frau Imke, die in Bremen bei einem psychiatrischen Pflegedienst arbeitet, wird der Pastor auch seine 87-jährige Mutter mit in die Gemeinde bringen. „Sie lebt im Moment noch in ihrer eigenen Wohnung, aber es ist absehbar, dass es nicht mehr lange so geht. Und wir wollten auch nicht, dass sie ihre letzte Zeit allein verbringt.“

Dafür muss die Dienstwohnung nun noch ein wenig umgebaut werden: „In den meisten alten Pfarrhäusern sind viele Treppen und keine Sanitärräume im Erdgeschoss. Es war nicht vorgesehen, dass man in diesen Häusern pflegebedürftige Angehörige aufnimmt“, bemerkt der 56-Jährige. „Ich fand diese Möglichkeit immer schon total wichtig, habe aber nie praktisch darüber nachdenken müssen – bis es mich nun halt direkt betraf. Jetzt ist es eins meiner großen Themen geworden, dass man die Welt so gestalten muss, dass auch Menschen im Rollstuhl, am Gehstock, Rollator oder mit körperlichen Einschränkungen selbstbestimmt überall hinkommen können. In den letzten Jahren ist ja wirklich was passiert in diesem Bereich, an vielen Orten wurde nachgerüstet. Das ist gut, aber irgendwie auch ganz schön spät.“

Was für einen Typ Pastor die Menschen in Leeste mit ihm bekommen? „Einen, der im Glauben verwurzelt ist und sich nicht scheut, darüber zu sprechen und dazu einzuladen. Ich will niemanden vereinnahmen, aber ich mir ist es schon wichtig zu vermitteln, was für mich das Besondere und Wichtige an meinem Glauben ist“, sagt Holger Hiepler. „Ansonsten bin ich jemand, der sich für andere Zeit nimmt. Ob beim Einkaufen, im Trau- oder Trauergespräch – ich finde, dass die Leute, mit denen ich mich gerade beschäftige, hundertprozentige Aufmerksamkeit verdient haben. Und nicht jemanden, der von einem Termin zum nächsten hechelt, den Kopf schon voll hat und mit seinem Smartphone signalisiert: ,Du bist zwar wichtig, aber andere Sachen sind es auch‘. Sowas gefällt mir gar nicht. Ich versuche meine Termine und Amtshandlungen immer so zu legen, dass ich etwas früher da bin, dass wir genug Zeit haben, und dass ich in dieser Zeit auch sehr konzentriert bei der Sache bleibe. Auch wenn ich dafür dann mal was anderes lassen oder absagen muss.“

Und wie sieht er sich als Mensch? „Ich halte mich für gelassen, freundlich, umgänglich, unkompliziert und zugänglich. Manchmal treffe ich natürlich trotzdem auf Leute, mit denen die Chemie nicht stimmt. Aber ich versuche, mich auf alles einzustellen. Ich bin auch sehr humorvoll – aber, najaaa…“ Der Pastor lacht – „mein Humor wird irgendwie auch nicht immer verstanden. Wahrscheinlich ist es ratsam, ihn am Anfang ´n bisschen vorsichtig zu dosieren…“

Miriam Unger