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Brasiliens Indigene in der Corona-Pandemie

Bericht aus dem Brasilien Arbeitskreis

Während der Corona-Pandemie ging unser Blick auch auf die erschreckende Höhe von Corona-Toten in Brasilien – Bilder von großen Mengen ausgehobener Gräber in den Metropolen des riesigen südamerikanischen Landes wurden in den Medien gezeigt. Das Sterben in den verschiedenen Völkern der Indigenen in Brasilien dagegen vollzog sich nicht unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Doch auch in die entlegenen Wälder des Amazonas und andere eher abgelegene Gebiete, in denen Indigene in ihren Dörfern leben, verbreitete sich das Corona-Virus mit erschreckender Geschwindigkeit.

Die Organisation APIB (Articulaça͂o dos Povos Indígenas) veröffentlicht laufend die neuesten Zahlen  http://apiboficial.org/?lang=en , auch auf Englisch. So waren am 13. September 31.469 Infizierte und 798 Tote in 158 Völkern zu verzeichnen, am 20. August waren es  noch 26.443 Infizierte und 690 Tote in 155 Völkern. Wenn man bedenkt, dass bei der Volkszählung von 2010 eine Zahl von 816.000 indigenen Menschen in 305 verschiedenen Sprachen erhoben wurde, dann wird deutlich, wie sehr die indigene Bevölkerung vom Corona-Virus betroffen ist.

In einem hochaktuellen und sehr sehenswerten Dokumentarfilm, der im August anlässlich des Internationalen Tages der indigenen Völker veröffentlicht wurde (Die Welt ist ein Dorf – O mundo é uma aldeia zu finden auf youtube), sind Originalstimmen aus verschiedenen Völkern zu hören. Alle klagen den brasilianischen Präsidenten Bolsonaro an, der den Ernst der Pandemie leugne und keine effektive Strategie gegen die Verbreitung des Virus und zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung habe. Die indigenen Gemeinden fühlten sich „verlassen“. Die Kaziken (Anführer) aus den Dörfern beschweren sich über die mangelnde Hilfe durch die SESAI (das Spezialsekretariat für indigene Gesundheit). Auf der Website der APIB werden sogar Völker aufgeführt, die erst durch Mitarbeiter der SESAI mit Covid 19 infiziert wurden, die ohne Schutzkleidung in die Dörfer kamen und Kontakt mit Dorfbewohnern hatten (http://emergenciaindigena.apib.info/ ). Ein Problem ist auch die mangelnde Versorgung mit Trinkwasser in indigenen Gebieten, die es vielen Menschen sehr erschwert z.B. die Handhygiene umzusetzen.

Die Sprecher der Urbevölkerung Brasiliens ordnen die mangelnde Unterstützung gegen das Corona-Virus ein in eine allgemeine drastische Verschlechterung ihrer Situation unter der rechtspopulistischen Regierung Bolsonaros. So werden Grenzmarkierungen für die Gebiete der Indigenen verhindert, die Regierung unternimmt keine effektiven Schritte gegen illegale Abholzungen, illegale Ausbeutung von Bodenschätzen sowie die Brandstiftungen in den Wäldern. Relativ unbeachtet von den Medien haben diese im Jahr 2020 wieder dramatische Ausmaße angenommen.

Mit der Aussage „Die Welt ist ein Dorf“ weisen die Sprecher der indigenen Bevölkerung Brasiliens darauf hin, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Konsum in Europa und China und der Bedrohung der Amazonas-Regenwälder gibt. Die mächtige Agrar-Industrie der Großgrundbesitzer produziert Soja und Mais unter massiver Ausbeutung der Böden durch Kunstdünger- und Pestizideinsatz – ohne dass Millionen von Armen in Brasilien dort Arbeit fänden – und sichert so die Fleischproduktion im Ausland wie im eigenen Land.

Sicherung der Regenwälder als Lunge der Welt führt vor allem über die Sicherung der Rechte der Indigenen und ihrer Lebensgrundlagen – nicht nur in Brasilien. Die ELM Hermannsburg, die über die brasilianische ev.-luth. Partnerkirche die Arbeit für die Interessen der Indigenen auch finanziell unterstützt, weist darauf hin, dass man die Position der Indigenen beispielsweise durch einen bewussten Konsum stärken könne. Es mache auch Sinn, die Petition zum Stopp des EU-Mercosur-Abkommens zu unterzeichnen, da dies einen leichteren Zugang der Produkte der Agrar-Industrie Brasiliens zum europäischen Markt vorsieht. (Elena Lenk, Brasilien Arbeitskreis)

Brasilienpartnerschaft

Zwischen der Synode Mato Grosso der EKLBB (Ev. Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien) und dem Kirchenkreis Syke-Hoya besteht eine Partnerschaft. Diese sehr lebendige und von unzähligen Gemeinden hier wie auch in Übersee getragene und mitgestaltete Verbindung lebt von den regelmäßig durchgeführten gegenseitigen Besuchen mit immer wechselnden Delegierten und von der gemeinsamen Planung und Durchführung ihrer Inhalte und Ziele durch ständige Kommunikation zwischen den Partnern per E-Mail-Schriftverkehr. Das persönliche Kennen der anderen sprachlichen und kulturellen Lebensweise stärkt weltweite Verantwortung für einander und fördert die ökumenische Wahrnehmung.

Seit Anbeginn der Partnerschaft werden alle zwei Jahre wechselseitige Besuche durchgeführt. Jeder Besuch wird unter ein Leitthema gestellt, das den Besuchsablauf und die Begegnungsschwerpunkte bestimmt. Eine besondere Bereicherung für die Partnerschaft und eine Vertiefung der Beziehung ist der Einsatz eines Pastors der IECLB im Kirchenkreis Syke-Hoya. Pastor Ivo Krüger war von 1994 bis 2000 in der Kirchengemeinde Asendorf und in der Partnerschaftsarbeit tätig. Walter Rosenbaum, ehemals Pastor der Kirchengemeinde Nordwohlde, war gemeinsam mit seiner brasilianischen Frau Karin bis Anfang 2015 Leiter des Arbeitskreises Brasilien. Danach übernahm Catrin Clasen das Amt. Nun ist Anke Orths, Pastorin in Colnrade und Heiligenloh, die Ansprechpartnerin.

 

Der Brasilienbesuch in Bildern

Im Juni 2015 machte sich eine sechsköpfige Delegation aus dem Kirchenkreis Syke-Hoya auf den Weg, um die Freunde in der Partnersynode Mato Grosso zu besuchen. Einen knappen Monat lang besuchte die Gruppe Gemeinden, lernte Land und Leute kennen und schaute sich kirchliche und soziale Projekte an. Was Irene Maertins aus Leeste, Anja von Issendorff aus Bruchhausen-Vilsen, Monalisa Terra Cordes aus Eitzendorf, Jürgen Stegmann aus Wechold, Anja Thorns und Dr. Jörn-Michael Schröder aus Syke gesehen haben, erzählen sie kurz und knapp in diesen drei Themen-Fotostrecken.Was sie erlebt haben, steht ausführlich im Reisebericht, der als pdf unten auf der Seite zu finden ist.

Reisebericht vom Partnerschaftsbesuch 2015 in Mato Grosso

DER REISEBERICHT ZUM DOWNLOAD

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Der Besuch im Kirchenkreis in Bildern

Im Mai/Juni 2017 kam eine sechsköpfige Delegation aus Mato Grosso zum Gegenbesuch in den Kirchenkreis Syke-Hoya. Die brasilianischen Gäste hatten ein volles Programm mit Einladungen und Ausflügen, Besuchen und Besichtigungen, Feiern und Veranstaltungen. Sie lernten dabei nicht nur die Gemeinden des Kirchenkreises kennen, sondern unternahmen auch Fahrten zum Klimahaus nach Bremerhaven, zu den Lutherstätten und zum Abschlussgottesdienst des Kirchentages. Was Pastor Elisandro Rheinheimer aus Tangara da Serra, Lourdes Maria da Lima Probst (Lehrerin aus Gauchá da Norte), Noemia Elza Tscha (Viehzüchterin aus Vila Rica), Lorivo Haack (Bauer aus Matupá), Vilmuth Marks (Landwirt aus Chapadoes) und Lauro Feldmann (Lehrer aus Agua Boa) dabei erlebten, sehen Sie in unseren Fotostrecken.

Anke Orths
Tel.: 04246 – 1350