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„Ich bringe noch mal eine andere Sicht mit rein“

13. Oktober 2021

Heizungsbauer Wolfgang Asendorf-Walther wird in Hoya als Prädikant eingeführt

HOYA. Wolfgang Asendorf-Walther ist ein praktischer Mensch, der nicht lange fackelt. „Mein Opa war Landwirt, und der hat immer gesagt: ,Mit dem Glauben ist das wie mit der Polizei – wenn man’s braucht, holt man sich‘s.‘ Diese Sicht hab ich mir von ihm angeeignet.“ Und als er im Altenheim, in dem er als ehrenamtlicher Lektor seit drei Jahren jeden Monat einen Gottesdienst anbietet, gefragt wurde, ob er auch mal das Abendmahl austeilen könnte, sagte er: „Das dürfen ja nur Pastoren und Prädikanten. Aber wenn die alten Leute sich das wünschen – dann mach ich eben noch die Prädikanten-Ausbildung.“ Die hat er jetzt bestanden und wird am Sonntag um 10.30 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in Hoya in sein Amt eingeführt.

Zur Kirche gekommen ist der gelernte Heizungs- und Lüftungsbauer im Grundschulalter durch die Kinderkirche. Er ging in den Posaunenchor, suchte sich zusammen mit seiner Frau als Patentante für die gemeinsame Tochter die Ehefrau des damaligen Pastors aus; und als die nächsten Kirchenvorstandswahlen kamen, ließ er sich bequatschen zu kandidieren. „Wir waren damals gerade nach Hoya gezogen, und ich dachte: Mich kennt hier eh keiner, also wird mich auch keiner wählen…“

Er wurde Nachrücker und übernahm wie gewohnt die Verantwortung. Auch als Hannelore Balschun, Lektorin in der Gemeinde, ihm von ihrer Tätigkeit erzählte und fragte, ob das nicht auch was für ihn sei, fielen ihm keine Gründe dagegen ein. So wurde er Lektor, hielt Lesepredigten in der Kirche und im Altenheim in Hoya. Unterstützt wird er dabei mit vollem Einsatz von seiner Tochter Theeske-Jordis. Die 15-Jährige begleitet ihn am Klavier, und nach den Andachten nimmt sich das Duo gerne und viel Zeit für persönliche Gespräche mit den Gästen der Gottesdienste. „Ich freue mich sehr, wenn Menschen die Texte aus der Bibel mit Hilfe meiner Predigt auf ihr Leben beziehen könnten“, sagt der 49-Jährige.

Natürlich gebe es auch unter den hauptamtlichen Theologen „viele handfeste Exemplare, aber Pastor*innen sind ja ganz klar klerikal vorbelastet“, lacht er. „Und das ist ja gut so. Aber ich bringe als Heizungsbauer sicherlich auch noch mal eine andere Sicht mit rein – auf den Glauben allgemein und wie ich die Bibel auslege.“ Seine Motivation liege in der Verkündigung dessen, was er glaube – „auch wenn das altmodisch klingt. Aber ich finde es auch in der heutigen Zeit sehr interessant, Bibelstellen auszulegen und auf mein eigenes Leben oder das von anderen und auf aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge zu beziehen.“

Miriam Unger