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„Hier kommt ein ganz bunt gemischtes Volk zusammen.“

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Ein Pfarrer als Fahrer: Pastor Elmar Orths sitzt am Steuer des Twistringer Bürgerbusses

Foto: Thorsten Runge

Der Bus ist klein, die Strecken oft nur kurz. Aber die Themen, die während der Fahrt besprochen werden, sind meist beides nicht. Wer in Twistringen in den Bürgerbus einsteigt, bekommt mehr als nur eine Mitfahrgelegenheit. Zwischen Einkaufstaschen, Schulranzen und Gehstöcken entstehen häufig sehr persönliche Gespräche. Denn am Steuer sitzt jemand, der gerne zuhört und sich für die Fahrgäste und ihr Befinden interessiert.

Seit neun Monaten gibt es das Angebot des Bürgerbusses in Twistringen: Ein behindertengerechter Kleinbus verbindet auf zwei Linien den Stadtkern mit seinen Ortsteilen. Organisiert wird das Ganze von rund 25 ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern, die den Betrieb im Drei-Schicht-System am Laufen halten. Einer von ihnen ist Pastor Elmar Orths – einer der wenigen, die nebenbei noch voll berufstätig sind.

Drei Schichten im Monat übernimmt der Theologe im Schnitt. Warum er sich das zusätzlich auflädt? „Ich hab gedacht, ich kann ja nicht immer nur ehrenamtliches Engagement fordern, sondern muss auch mal selber was geben“, erklärt er. „Den Bürgerbus finde ich wichtig, weil er Menschen hier im ländlichen Raum Mobilität ermöglicht.“

Foto: Thorsten Runge

Junge und alte Menschen, Menschen mit wenig Geld oder gesundheitlichen Einschränkungen, die beispielsweise zum Arzt müssen und nicht gefahren werden können oder kein Geld für ein Taxi haben. „Ohne ehrenamtliches Engagement würde dieser Service nicht zustande kommen“, weiß Elmar Orths.

Den Bürgerbus fährt er natürlich privat und nicht in seiner Funktion als Pfarrer. Aber wenn er fährt, dann geht es für ihn nicht nur um Straßenverkehr und Fahrplan, sondern auch um Begegnung. „Hier gibt es immer Gelegenheiten, miteinander zu sprechen und ein bisschen was zu erfahren, was so los ist im Ort und bei den Leuten. Und auch die Gemeinschaft der Fahrerinnen und Fahrer ist für mich eine schöne Möglichkeit, mal Kontakt zu Leuten zu kriegen, die ich noch nicht kannte.“

Der Bürgerbus schließt Lücken – ganz konkret im Nahverkehr, aber auch im Alltag der Menschen. Haltestellen werden angefahren, die sonst außen vor bleiben.
„Wir bedienen hier Haltestellen, die es sonst nicht gibt im öffentlichen Nahverkehr.“

Und so sitzt im Bus meist eine Mischung, wie sie vielfältiger kaum sein könnte: „Hier fahren ganz normale Leute mit und viele mit interessanten Geschichten. Manche fahren zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause. Es gibt auch viele Jugendliche, die von der Schule kommen, aus Syke zum Beispiel von der Berufsschule, und dann mittags hier von uns nach Hause gebracht werden. Alte Leute steigen ein und sind meist sehr dankbar dafür, weil sie selber nicht mehr Auto fahren können. Also: ein ganz bunt gemischtes Volk.“

Foto: Thorsten Runge

Dass das Angebot so gut angenommen wird, obwohl es den Bürgerbus in Twistringen noch nicht mal ein Jahr gibt, freut Elmar Orths. Die Fahrgastzahlen steigen. Aber noch sind bei den meisten Fahrten Plätze frei. „Ich wünsche mir, dass das noch viel mehr wahrgenommen wird. Denn auch wenn der Bus klein aussieht – wir haben Platz in der Hütte und können gerne noch mehr Leute mitnehmen“, wirbt der Pastor.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Bus ausmacht: Er fährt nicht nur durch Twistringen. Er bringt Menschen zusammen, die sich sonst womöglich nie begegnet wären.

Thorsten Runge