Reformexperte Steffen Bauer wirbt in der Kirchenkreissynode für mutige Entscheidungen / Delegierte beschließen Pauschalen für ehrenamtlich Engagierte und mehr Mittel für Kinder- und Jugendfreizeiten
Die Kirche steht vor großen Veränderungen. Und die werden schneller kommen als viele erwarten. Davon ist Steffen Bauer überzeugt. Der 64-Jährige ist Experte für Kirchenreformprozesse und begleitet seit Jahrzehnten Veränderungsprozesse im gesamten deutschsprachigen Raum. Weil er außerdem ein charismatischer, hochgradig unterhaltsamer Redner ist, ist der Theologe landesweit ein gefragter Gast für Impulse und Vorträge.
Zwei Tage lang war Bauer im Kirchenkreis Syke-Hoya, um mit Haupt- und Ehrenamtlichen über ihre Vorstellungen von „ihrer“ Kirche der Zukunft zu sprechen. Am Mittwochabend war er zu Gast in der Kirchenkreissynode – dem Parlament des Kirchenkreises. Vor den Delegierten aus allen 23 Gemeinden berichtete Bauer von seinen Erkenntnissen.
Sein Blick in andere Landeskirchen zeigt, wie drastisch die Veränderungen ausfallen können: „In der Pfalz etwa werden bis 2028 alle 15 Superintendent*innen aus dem Amt verabschiedet. Aus 380 Gemeinden werden vier große Einheiten“. Auch in Sachsen-Anhalt sei man zu einem extremen Strukturwandel gezwungen. Mittel und Personal fehlen, die Mitgliederverluste sind groß, die Zahl der historischen Kirchen auch. Die Gebäude können nicht mehr unterhalten werden.
„Transformation by disaster“, nennt Steffen Bauer das. Wandel durch Katastrophe. „Das passiert, wenn man zu lange abwartet.“ Noch sei die Lage in der hannoverschen Landeskirche vergleichsweise gut. „Darum: Versuchen Sie, vor die Welle zu kommen und nicht von ihr getrieben zu werden“, appelliert er an die Delegierten. Das brauche natürlich Mut, klare Prioritäten, Ressourcensteuerung und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren.