Wir trauern um einen sensiblen Sympathieträger, dem Landschaft und Leute ihre Geschichten preisgaben
Eine traurige Nachricht erreichte den Kirchenkreis Syke-Hoya in dieser Woche: Heinz-Dieter Freese ist gestorben. Er wurde 69 Jahre alt.
Heinz-Dieter Freese war Gemeindepastor in Martfeld. Nicht lange – es waren tatsächlich nur drei Jahre. Aber mit seiner freundlichen, ruhigen, nahbaren Art hatte er sich in Windeseile bekannt und beliebt gemacht. Nach der Verabschiedung in den Ruhestand zogen seine Frau und er 2018 nach Verden, blieben der Region aber verbunden.
Geboren und aufgewachsen sind sowohl Heinz-Dieter Freese als auch seine Frau Gisela in Verden/Aller. Zusammengekommen sind sie dann aber erst im Studium, das sie nach Tübingen und Göttingen führte. Nach dem Vikariat in Bad Essen und Loccum und der ersten Zeit in Garbsen bei Hannover zog es die Familie auf die Insel Juist – inzwischen hatten die Freeses zwei Söhne. Es folgten Gemeindepfarrstellen in Nienburg und Neudorf-Platendorf in der Südheide, bis das Ehepaar Freese 2015 in den Kirchenkreis Syke-Hoya kam. Gisela Freese übernahm als Pastorin das Arbeitsfeld mit älteren Menschen im Nordkreis. Heinz-Dieter Freese wurde Gemeindepastor in Martfeld. „Ich kannte diese Gegend aus meiner Kindheit, denn viele meiner Verwandten haben hier gewohnt. Und Martfeld hat auf mich schon immer einen freundlichen Eindruck gemacht. Ich wollte genau hierher“, erklärte er damals.
Er war ein Dorfpastor, wie die Menschen ihn sich wünschten: Einer „von hier“, der unverstellt, natürlich und authentisch war. Der sich für alles interessierte. Dem man vertrauen und alles anvertrauen konnte. Der zuhören und sensible, tiefe Gespräche genauso konnte wie originell und witzig sein in großer Gesellschaft.
„Heinz-Dieter Freese war ein offener, spontaner Mensch mit einem fröhlichen, gelassenen Wesen. Das machte ihn für andere leicht zugänglich“, sagt Dr. Jörn-Michael Schröder, Superintendent im Kirchenkreis Syke-Hoya. „Man spürte in allem, was er tat: Es ging ihm immer um den Menschen.“
Neben seiner Arbeit interessierte Freese sich für Archäologie und Fotografie, was er als leidenschaftlicher Luftbildarchäologe miteinander verband. Er machte viele bedeutende Entdeckungen von Bodendenkmälern. „Ähnlich wie im Umgang mit den Menschen, die ihm in seinen Gemeinden anvertraut waren, hatte er auch als Luftbildarchäologe ganz oben in der Höhe die Gabe, mit geschultem und sensiblem Blick die feinen Veränderungen der Oberfläche wahrzunehmen und zu deuten, sodass sie ihm ihre Geschichte preisgaben“, erinnert sich Superintendent Schröder. „Vielleicht liebte er gerade deshalb die regionale Geschichte und ihre vielen kleinen Geschichten, weil sie vom Leben der Menschen in unserer Region erzählen – Menschen, denen er sich tief verbunden fühlte.“
Freese habe gern über alte Lieder gepredigt, erzählt Schröder. „Ich denke an ihn mit einem Vers von Paul Gerhardt aus dem Evangelischen Gesangbuch im Ohr: ‚Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn / der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.‘ (EG 361). Möge die Freiheit der Wolken und Winde, die Heinz-Dieter Freese bei seinen Erkundungen so vertraut war, ihn nun auch auf seinem letzten Weg tragen.“
Miriam Unger