Diakonie baut Präventionsarbeit aus: Sozialarbeiterin Mailyn von der Brelje bringt Projekt zur Sexualaufklärung für Schüler*innen an den Start
In welche Richtung es beruflich für sie gehen soll, das war für Mailyn von der Brelje schon früh klar. Aufgewachsen in Syke-Heiligenfelde, zog es sie nach dem Abitur erst mal ins Ausland. „Ich habe ein Dreivierteljahr lang zusammen mit einer Freundin in Neuseeland ,Work and Travel‘ gemacht. Wir haben auf verschiedenen Farmen gearbeitet, die Süßkartoffeln und Kiwi anbauten, und auf einem Streetfoodfestival. Danach sind wir noch auf die Fidschi-Inseln, nach Australien und Thailand gereist, bevor es wieder nach Hause ging.“
Zurück in Deutschland begann sie eine Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin. „Ich hab aber schnell gemerkt, dass mein Herz für die soziale Arbeit schlägt und dass meine berufliche Zukunft in diesem Bereich liegen soll“, sagt die 27-Jährige.
Also wechselte sie in die Kita „Kunterbunt“ der Lebenshilfe Syke, arbeitete im Gruppendienst und absolvierte ihre „QuiK-Ausbildung“ für Qualität im frühpädagogischen Bereich. Parallel dazu studierte sie Soziale Arbeit. Und heute arbeitet sie als staatlich anerkannte Sozialarbeiterin im Diakonischen Werk Diepholz-Syke-Hoya. Dort hat sie den Arbeitsbereich der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung übernommen, nachdem ihre Vorgängerin Ortrud Kaluza im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen ist. An den Standorten Syke und Bassum ist Mailyn von der Brelje seitdem für Rat- und Hilfesuchende da.
„In der Schwangerenberatung geht es um Fragen und Probleme rund um Schwangerschaft und Familiengründung“, erklärt sie. „Dazu gehören persönliche Gespräche genauso wie die Beratung zu gesetzlichen Leistungen oder zu sozialrechtlichen Themen und die Unterstützung bei Anträgen für finanzielle Hilfen.“ Häufig sind es existenzielle Dinge, mit denen die Hilfesuchenden kommen.
Ein besonders sensibler Bereich von Mailyn von der Breljes Arbeit ist die Schwangerschaftskonfliktberatung. „Hier ist es meine Aufgabe, Frauen und Familien zu begleiten, die vor der Frage stehen, ob sie ihr Baby bekommen oder nicht, und sie bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.“ Es geht ums Abwägen, um eigene Ängste und um den Druck von außen, um soziale, finanzielle und kulturelle Sorgen, um Moral und Machbarkeit – um vielschichtige und sehr viele Unsicherheiten. „Ich informiere über Hilfen, die Staat und Kirche gewähren, und biete an, weiterführende Unterstützung zu vermitteln.“
Viele kommen wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsbescheinigung. Ohne sie ist ein Schwangerschaftsabbruch nicht möglich. „Wir stellen diese Bescheinigung aus und unterstützen die Frauen – unabhängig davon, welche Entscheidung sie treffen“, sagt Mailyn von der Brelje. „Die Schwangerschaftskonfliktberatung ist ergebnisoffen. Wenn die Frauen das wünschen, zeigen wir ihnen weiterführende Wege auf, bieten Unterstützung an und vermitteln Hilfen.“
Die Schwangerschaftskonfliktberatung ist für jede hilfesuchende Frau vertraulich und kostenlos. Das Angebot richtet sich an Schwangere ebenso wie an Familien mit kleinen Kindern bis zu drei Jahren. Begleitpersonen sind willkommen.
Zusätzlich zu diesen beiden Arbeitsbereichen hat Mailyn von der Brelje seit Kurzem noch eine neue Zielgruppe in den Blick genommen: Kinder und Jugendliche. Gerade baut sie im Gebiet des Kirchenkreises Syke-Hoya ein Projekt für Sexualaufklärung aus. Das Präventionsangebot setzt ganz bewusst früh an: „Es richtet sich an Schulen, Jugendhäuser, Jugendgruppen wie Teamer*innen und Konfirmand*innen, aber auch an alle anderen nicht kirchlichen Treffpunkte für Kinder und Jugendliche, die Bedarf haben.“
Die Einheiten sind unterschiedlich aufgebaut: mal spielerisch, mal praktisch, mal sachlich. Es geht um Verhütung, um den eigenen und den Körper anderer, um Grenzen – und darum, überhaupt ins Gespräch zu kommen.
Dafür hat Mailyn von der Brelje eine Menge Material im Repertoire, das gut verständlich und ohne Peinlichkeit Wissen vermittelt. Die Schüler können zum Beispiel jede Art von Verhütungsmitteln anschauen und anfassen, erfahren alles über den Einsatz, die Kosten, die Sicherheit und die Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode. Genauso können sie Tampons, Binden, Periodenschwämme und -tassen kennenlernen und herausfinden, welche Produkte für sie selbst infrage kommen.
Mit einem Zyklus-Modell namens „Anke“ zeigt Mailyn von der Brelje die weibliche Anatomie und erklärt den Eisprung, die Menstruation und die verschiedenen Phasen. Dazu gibt es Tipps für Aktivitäten und einen fürsorglichen Umgang mit sich selbst an den jeweiligen Tagen.
An einem Penismodell kann der „Kondomführerschein“ gemacht werden.
Und wenn es einer Gruppe schwerfällt, zum Thema Sexualität ins Gespräch zu kommen und die anfänglichen Hemmungen zu überwinden, dann gibt es zwei Spiele, die nach Mailyn von der Breljes Erfahrung immer funktionieren: das Aufklärungs-Quiz und ein „Tabu“-Spiel mit Fragen, die mal witzig und mal tiefgehend sind, aber weder Schamgrenzen der Spielenden verletzen noch jemanden bloßstellen.
Das ist Mailyn von der Brelje besonders wichtig: die Jugendlichen, ihre Fragen und Unsicherheiten ernst zu nehmen. Sie gibt ihnen Raum zum Lachen, für das Überspielen von Unsicherheiten, zum Ausweichen und auch zum Grenzen-Setzen. Sie selbst bleibt ruhig, klar, freundlich und zugewandt, kann aber auch mit provokanten Fragen umgehen und prollige Sprüche kontern.
„Dieses Präventionsprojekt holt noch mal die deutlich jüngeren Generationen ab, und das ist ganz wichtig“, findet sie. „Aber davon abgesehen macht es mir auch einfach Spaß, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Die Termine sind so vielfältig und abwechslungsreich, und es gibt immer einen großartigen Austausch.“
Für die nächsten Monate plant sie, die Präventionsarbeit weiter auszubauen, Kontakte zu knüpfen, Kooperationen zu schließen und zusätzliche Veranstaltungen anzubieten.
Erreichbar ist Mailyn von der Brelje per E-Mail an mailyn.vonderbrelje@evlka.de und über die Beratungsstellen in Syke (Telefon: 04242 1687-25) oder Bassum (Telefon: 04241 4742).
Miriam Unger