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Nach neun Pfarrhäusern ist Schluss

Nachricht 02. Juli 2026

Abschied aus Bassum: Pastorin Ines-Maria Kuschmann geht in den Ruhestand / Verabschiedung am 11. Juli um 15 Uhr

In so vielen verschiedenen Pfarrhäusern wie Ines-Maria Kuschmann hat im Kirchenkreis Syke-Hoya keine andere Pastorin und kein anderer Pastor gelebt. Das liegt aber nicht daran, dass die 63-Jährige rastlos wäre und ungewöhnlich oft die Stellen gewechselt hat. Sondern an ihrer Herkunft. Sie ist nämlich selbst Pastorentochter und hat von Geburt an in kirchlichen Dienstwohnungen gelebt. Nur in der Zeit ihres Studiums nicht. „Als Pastorenkind kommt man schon in jungen Jahren viel herum“, sagt Ines-Maria Kuschmann und lacht. „Bis heute habe ich in neun verschiedenen Pfarrhäusern gewohnt.“ Und bei neun soll es auch bleiben. Das Pfarrhaus in der Kirchengemeinde Bassum war ihr letztes – Ines-Maria Kuschmann geht in den Ruhestand. Am Samstag, 11. Juli, wird sie in der Stiftskirche verabschiedet. Der Gottesdienst beginnt um 15 Uhr, im Anschluss sind alle Gäste zum Kaffee eingeladen.

Geboren und aufgewachsen in Stade an der Niederelbe, ging es mit der Familie weiter nach Wolfsburg und Cuxhaven. Das Studium führte Ines-Maria Kuschmann nach Hamburg, Tübingen und Göttingen. Ihr Vikariat machte sie in Northeim, erste Erfahrungen im Schuldienst in Haren an der Ems – und schließlich Pfarrstellen in Hollenstedt und Peine. Zwischendurch wurde sie Mutter von drei Töchtern.

Eine geografische Konstante gab es bei all den Wechseln die meiste Zeit trotzdem: die Elbe. „Das ist mein Lebensfluss“, sagt Ines-Maria Kuschmann. „Die Elbe gehört zu mir als Lebenslinie. Sie bedeutet Heimat für mich.“

2012 kam sie als Pastorin nach Bassum. „Die Stiftskirche hat mich sofort fasziniert“, erinnert sie sich. Die Akustik in diesem eindrucksvollen Steinbau aus dem 13. Jahrhundert ist eine Besonderheit. Entsprechend pflegt die Kirchengemeinde ein starkes musikalisches Profil, wie es kaum einer anderen Gemeinde möglich ist. Auch das begeisterte Ines-Maria Kuschmann, denn Musik spielte in ihrem Leben immer eine große Rolle – sie singt, spielt Klavier und Flöte.

Dazu der Stiftshügel, das Ensemble aus historischen Gebäuden und das älteste, noch aktive Kanonissenstift Niedersachsens auf dem Gelände. Eine wirklich besondere Gemeinde.

Ines-Maria Kuschmann war die erste Pastorin in Bassum. Zuvor hatten Stiftsprediger oder männliche Kollegen die Stelle geprägt.

Wenn sie an ihre 14 Jahre in Bassum zurückdenkt und an die verschiedenartigen Aufgaben in der Gemeinde, wird der 63-Jährigen wieder einmal deutlich, wie vielseitig der Pfarrberuf ist. Sie hat nicht nur Menschen begleitet und Gottesdienste, Trauerfeiern, Taufen und Hochzeiten geleitet, sondern auch Strukturen mitgestaltet. Dazu gehörten Bauprojekte wie das neue Pfarrhaus und die Modernisierung und Erweiterung des Gemeindehauses, das jetzt ein Veranstaltungszentrum mit moderner Technik und einem Glasanbau ist.

Herzensprojekte waren für Ines-Maria Kuschmann die „Kapelle der Stille“ – ein täglich geöffneter spiritueller Andachtsraum am Westeingang der Stiftskirche als Ort für Ruhe und Innehalten für alle Interessierten. Das „Lichterfest“ zu Epiphanias mit zahlreichen Kerzen in der Kirche. Der „Bassumer Advent“ in Zusammenarbeit mit der Stadt und der Künstlerin Ulrike Schink. Der Besuchsdienst. Die Trost- und Trauerbank auf dem Friedhof. Und der gesamte Seelsorge-Bereich. Dafür machte sie eine systemische Ausbildung und mehrjährige Fortbildungen. „Seelsorge ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Gemeinde und den Bedürfnissen der Menschen. Es ging meist um krisenhafte Situationen – Leid, Trauer, Schmerz, Krankheit, Abschied und Verlust – die mich herausgefordert haben. Von klein auf habe ich mich für Menschen interessiert, mit all ihren Gedanken und Gefühlen, Einstellungen und Erlebnissen.“

Nun zieht es Ines-Maria Kuschmann weiter. Nach ihrer Verabschiedung in den Ruhestand wird sie in Magdeburg leben. Eine 244.500-Einwohner-Stadt in Sachsen-Anhalt mit großer geschichtlicher und musikalischer Bedeutung. Welcher Fluss die Stadt prägt, ist natürlich kein Zufall. Die Elbe, Ines-Maria Kuschmanns ewige Begleiterin.

Miriam Unger